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Lesungen 13.11.2016


1. Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Mal 3,19-20b

Lesung aus dem Buch Maleachi:

Seht, der Tag kommt,
er brennt wie ein Ofen:
Da werden alle Überheblichen und Frevler zu Spreu,
und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen,
spricht der Herr der Heere.
Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen bleiben.
Für euch aber,
die ihr meinen Namen fürchtet,
wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen,
und ihre Flügel bringen Heilung.



Das Buch Maleachi (“mein Bote”) (oder griechisch/lateinisch Malachias) ist das letzte der sogenannten kleinen Prophetenbücher im Zwölf-Propheten-Buch des Alten Testamentes. Es ist im 4. oder 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden, Autor wie Entstehungsort sind unbekannt. Verschiedene Stellen des Buches deuten darauf hin, dass der Autor im Umfeld der Tempel-Priester lebte. Für ihn steht die Endzeit bevor, das Kommen eines Messias. Daher ermahnt er das Volk in üblicher Prophetentradition, in rechter Weise zu leben. Die vorliegende Perikope hat neben anderen Theologen auch Christian David, den Gründer der Herrnhuter Brüdergemeinde, im 18. Jhdt. zum Kirchenlied "Sonne der Gerechtigkeit" inspiriert.


Wir haben eines der apokalyptischen Bilder des Alten Testaments vor uns. Immer ist es Gott, der seine Macht zeigen wird. Immer ist es Gott, der endgültig eingreift und damit eine Ordnung herstellt, die ganz anders ist. Sein Eingreifen trennt die Bösen von den Guten und schenkt den Guten die Erfüllung.


Das Buch Maleachi wird als anonyme Prophetenschrift angesehen. Da Maleachi jedoch als Personenname möglich ist, kann diese Annahme freilich nicht hundertprozentig bewiesen werden. Als Anhaltspunkte für eine ungefähre Datierung dieser Schrift gibt es nur wenige Hinweise. Aufgrund der Hinweise nimmt man an, dass die Schrift in der Periode der Perserherrschaft (1. Hälfte des 5. Jhdt. vor Chr.) zu datieren ist. Hintergrund des Prophetenwortes ist die Klage, dass die Priester und das Volk Gott und die Zeit nicht mehr ernst nehmen. Es wird vom "Tag Jahwes" gesprochen, der als Gerichtstag über die Gottlosen geschildert wird. Der kommende Tag wird - in bildreicher Sprache - verglichen mit einem brennenden Backofen. Damit ist Gottes Zorn ausgedrückt. Im Gegensatz zu diesem Geschehen wird denen, die Jahwe fürchten und ehren versprochen, dass die "Sonne der Gerechtigkeit" aufgehen wird. Das Aufgehen des Lichts, das die Finsternis vertreibt, kann ein Bild für Jahwes Epihanie sein; die geflügelte Sonnenscheibe ist eine bekannte altorientalische Darstellung. Ihre Flügel repräsentieren Heilung. Die alte Kirche deutet die Verheissung von der "Sonne der Gerechtigkeit" messianisch und sah sie in Jesus Christus erfüllt. In den meisten Kulturen der Antike ist der Sonnenkult reichlich vorhanden. Die Sonne wird bei den Syrern wie auch bei den Ägyptern als eine Gottheit verehrt. Die Sonne spendet jeden Morgen erneut Licht, Leben und Wärme. Selbst in Israel ist die Versuchung des Sonnenkultes eine über viele Jahrhunderte hindurch dauernde Gefahr. In der Bibel selbst ist die Sonne ein Geschöpf, das von Jahwes Macht zeugt. Im Buch Jesus Sirach heißt es: "Die Sonne geht auf und erglänzt in vollem Licht, ein staunenswertes Gestirn, das Werk des Höchsten ... Ja, groß ist der Herr, ihr Schöpfer, sein Wort lässt seinen Helden erstrahlen" (Sir 43,2-5).


Antwortpsalm am 33. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 98,5-9

R - Der Herr wird kommen,
um die Erde zu richten. – R

Spielt dem Herrn auf der Harfe,
auf der Harfe zu lautem Gesang!
Zum Schall der Trompeten und Hörner
jauchzt vor dem Herrn, dem König! - (R)

Es brause das Meer und alles, was es erfüllt,
der Erdkreis und seine Bewohner.
In die Hände klatschen sollen die Ströme,
die Berge sollen jubeln im Chor. - (R)

Jauchzt vor dem Herrn, wenn er kommt,
um die Erde zu richten.
Er richtet den Erdkreis gerecht,
die Nationen so, wie es recht ist. – R


2. Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
2 Thess 3,7-12

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher:

Schwestern und Brüder,
ihr wißt, wie man uns nachahmen soll.
Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt
und bei niemand unser Brot umsonst gegessen;
wir haben uns gemüht und geplagt,
Tag und Nacht haben wir gearbeitet,
um keinem von euch zur Last zu fallen.
Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt;
wir wollten euch aber ein Beispiel geben,
damit ihr uns nachahmen könnt.
Denn als wir bei euch waren,
haben wir euch die Regel eingeprägt:
Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
Wir hören aber,
daß einige von euch ein unordentliches Leben führen
und alles mögliche treiben, nur nicht arbeiten.
Wir ermahnen sie
und gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn,
in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen
und ihr selbstverdientes Brot zu essen.



Der 2. Brief an die Gemeinde von Thessalonich ist von einem unbekannten Autor verfasst worden in literarischer Abhängigkeit zum 1. Brief des Apostels Paulus. Ziel des Briefes ist es, die Menschen auf eine Endzeit vorzubereiten. Der weit über christliche Zusammenhänge hinaus bekannte und berühmte Satz von 2 Thess findet sich in der heutigen Lesung: "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen." Oft wird er falsch zitiert: "Wer nicht arbeitet, ..."


Der Zweite Thessalonicherbrief gehört zu den kürzesten Schriften des Neuen Testaments und stammt vermutlich nicht von Paulus. Es finden sich in 2 Thess viele Anklänge an den - wohl tatsächlich von Paulus stammenden - 1 Thess, um dem eigenen Brief mehr Gewicht zu geben. Der Verfasser versucht, das Ausbleiben der Naherwartung zu bewältigen. Die Christen hatten in der Hoffnung gelebt, dass Jesus schon bald wiederkommen und sein Werk vollenden werde. Es kam aber anders. Im Lesungstext geht es um das Lebensbeispiel des Paulus. Er ist zugleich Begründer einer Tradition und Anordner einer Haltung. Er hat gearbeitet und ist niemandem zur Last gefallen. Jesus darf jederzeit kommen, aber Paulus ist auch dann gerichtet, wenn dies nicht geschieht. Das Leben des Paulus dient als Maßstab und soll auch von denen befolgt werden, die ein unordentliches Leben führen.


Der Zweite Thessalonicherbrief behandelt Irrlehren, den unmittelbar bevorstehenden "Tag des Herrn" und die damit zusammenhängende "Arbeitsscheu" mancher Mitglieder in der Gemeinde. Die Irrlehrer berufen sich auf Offenbarungen sowie mündliche oder briefliche Überlieferungen des Paulus. Eventuell wollte der Verfasser durch diesen Brief den ersten Brief an die Thessalonicher ersetzen, da dessen Eschatologie ihm zumindest korrekturbedürftig erschien. Nach den Angaben in 2 Thess 1,7 befindet sich die Gemeinde zur Zeit der Briefabfassung in einer Verfolgungssituation. Der Abschnitt 3,7-12 wird gleichsam durch Vers 6 "im Namen des Herrn Jesus Christus" mit einer Mahnung eingeleitet.


Ruf vor dem Evangelium am 33. Sonntag im Jahreskreis (C)
(Lk 21,28)

Halleluja. Halleluja.

Richtet euch auf, und erhebt euer Haupt;
denn eure Erlösung ist nahe.

Halleluja.


Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 21,5-19

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit, als einige darüber sprachen,
daß der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei,
sagte Jesus:
Es wird eine Zeit kommen,
da wird von allem, was ihr hier seht,
kein Stein auf dem andern bleiben;
alles wird niedergerissen werden.
Sie fragten ihn:
Meister, wann wird das geschehen,
und an welchem Zeichen wird man erkennen, daß es beginnt?
Er antwortete:
Gebt acht, daß man euch nicht irreführt!
Denn viele werden unter meinem Namen auftreten
und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. -
Lauft ihnen nicht nach!
Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört,
laßt euch dadurch nicht erschrecken!
Denn das muß als erstes geschehen;
aber das Ende kommt noch nicht sofort.
Dann sagte er zu ihnen:
Ein Volk wird sich gegen das andere erheben
und ein Reich gegen das andere.
Es wird gewaltige Erdbeben
und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben;
schreckliche Dinge werden geschehen,
und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
Aber bevor das alles geschieht,
wird man euch festnehmen und euch verfolgen.
Man wird euch um meines Namens willen
den Gerichten der Synagogen übergeben,
ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.
Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Nehmt euch fest vor,
nicht im voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben,
so daß alle eure Gegner nicht dagegen ankommen
und nichts dagegen sagen können.
Sogar eure Eltern und Geschwister,
eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern,
und manche von euch wird man töten.
Und ihr werdet um meines Namens willen
von allen gehaßt werden.
Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Wenn ihr standhaft bleibt,
werdet ihr das Leben gewinnen.



Diese Perikope steht im lukanischen Vorspann zur Passionsgeschichte: Jesus ist nach Jerusalem eingezogen und bereitet nun die nachösterliche Zeit vor. Wie als Kondensat zitiert Jesus (Lk 20,17) Psalm 118,22: "Der Stein, den die Bauleute verwarfen, ist zum Eckstein geworden." Um die Bedeutung dieses Satzes und all seiner Worte und Taten verstehen zu können, lehrt Jesus die Jünger in endzeitlichen Reden. Ort dieses Geschehens: Der Tempel zu Jerusalem - dort spricht Jesus: "Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden." Damit war die provokante Art Jesu nicht mehr zu steigern - ein gewaltsames Ende seines Redens und Tuns bahnt sich zwangsläufig an.


Der Heilige Geist ist da, hilft und wird darin auch erlebt. - Dies will Lukas seinen Lesern immer wieder mitteilen. So werden die Zeichen von Untergang und Verfolgung (und somit vielleicht auch die Zeichen eines baldigen Endes der Welt) im Licht der Erfahrung von Gottes Geist neu beschrieben. Manche der Zeichen sind zum Zeitpunkt der Abfassung des Evangeliums schon geschehen und haben den Glaubenden die Gewissheit geben können: Gott geht mit uns.


Der Abschnitt ist der erste Teil der sog. Endzeitrede Jesu im Lukasevangelium. Es ist eine Zusammenstellung von Worten Jesu im Blick auf das Ende Jerusalems, der zu erwartenden Verfolgung der Jünger und der Wiederkunft (Parusie) des Menschensohnes. Mit Jesu Voraussage der Tempelzerstörung und seiner Antwort auf die Frage nach Zeitpunkt und Vorzeichen, ist der Ausblick auf die Endereignisse verbunden. Hintergrund für diese Schau ist die für die Hörer und Leser des lukanischen Textes die bereits zurückliegende Katastrophe der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 nach Christus. Jesu Antwort auf die Frage nach dem Ende der Welt ist zunächst eine Warnung vor Leuten, die in seinem Namen jeweils den Anspruch erheben, der erwartete "Retter" zu sein. Das Auftreten solcher Personen um das Jahr 70 ist belegt und war auch für die urkirchliche Enderwartung nicht unwesentlich. Die Prophetie von Kriegen, Naturkatastrophen und anderer Phänomene entspricht den Bildern aus den apokalyptischen Schriften (vgl. Ez 38,19-22; Off 6,1-7 u.a.) Das angekündigte Ende Jerusalems und damit des jüdischen Reiches ist für alle Christen eine ernste Mahnung, die Verwirklichung der Botschaft Jesu nicht zu eng mit äußeren Bauten und Institutionen zu verbinden. Die Warnung vor falschen "Rettern" bleibt durch fast 2000 Jahre und auch gegenwärtig aktuell. Die Reihung unterschiedlicher Texte (Prophezeiungen, Mahnungen, Ermutigungen) dient dazu, die der Verfolgung ausgesetzten Christen in ihrem Bekenntnis zu Christus zu festigen und zum Ausharren zu ermutigen. Überhaupt gehören die Ankündigungen Jesu von Verfolgungen zum zuverlässigen Bestand ältester Jesusüberlieferungen.