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Lesungen 20.11.2016


1. Lesung vom Christkönigssonntag, Lesejahr C:
2 Sam 5,1-3

Lesung aus dem zweiten Buch Samuel:

In jenen Tagen
kamen alle Stämme Israels zu David nach Hebron
und sagten:
Wir sind doch dein Fleisch und Bein.
Schon früher, als noch Saul unser König war,
bist du es gewesen,
der Israel in den Kampf und wieder nach Hause geführt hat.
Der Herr hat zu dir gesagt:
Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein,
du sollst Israels Fürst werden.
Alle Ältesten Israels kamen zum König nach Hebron;
der König David
schloß mit ihnen in Hebron einen Vertrag vor dem Herrn,
und sie salbten David zum König von Israel.



Das Volk suchte einen König. Samuel hatte sie schon bei der Wahl und Salbung Sauls gewarnt - nun wandten sich die Führer des Volkes von ihm ab und trugen David das Königtum an. Damit wir das Haus David Königshaus in Israel - viele Jahre später wird in Jesus ein neuer König da sein, der den Bund mit Gott im Namen des Volkes einen neuen Kern gibt.


Im alten Israel war eine spannende Frage zu klären: Die einen sagten, wir brauchen einen König. Die anderen Völker haben auch einen. Nach innen sollte er die Stämme mit ihren unterschiedlichen Traditionen einigen, nach außen die Interessen des Volkes Israel machtvoll vertreten. Kriegerische Auseinandersetzungen eingeschlossen. Die anderen sagten, wir brauchen keinen König. Jahwe hat uns bisher gut geführt, er wird uns auch in Zukunft nicht im Stich lassen. Was die Könige der anderen Völker sich geleistet haben, ist kein Vorbild. Sie betreiben Machtpolitik und haben nach innen und außen keine Hemmungen, sie opfern bewährte Lebensordnungen, ja sogar heilige Überlieferungen. Die Lesung spiegelt, wie der Konflikt gelöst wurde: Die Stämme Israels erinnern David an die gemeinsame Herkunft ("dein Fleisch und Bein") und verweisen ihn auf Jahwes Auftrag: "Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein" - David erhält ein Mandat und ist Jahwe verantwortlich. An diese Verantwortung wird er auch immer wieder erinnert. Einerseits hat Israel einen König, aber seine Macht wird eingehegt. So ist von einem "Vertrag vor dem Herrn" die Rede. In den vielen Auseinandersetzungen, die um "Macht" geführt wurden, weist Davids Königtum, unabhängig von den historischen Prägungen, die seine Herrschaftszeit auszeichnen (und auch belasten), weit über sich hinaus. Jesus, aus dem "Geschlecht Davids", wird als "neuer König" geboren (vgl. Mt 2,2) und unter dem Königstitel aufgehängt.


Dieser Abschnitt aus dem Zweiten Samuelbuch ist von großer Wichtigkeit. Die Verheißung des Königtums an David wird Wirklichkeit. David gelang es, alle Stämme Israels zu vereinen. Er wird in Jerusalem zum König über das ganze Volk gesalbt. Die beschriebene Szene erinnert an die Thronerhebung Sauls (1 Sam 11) und die Königswahl in Hebron (2 Sam 2). Die Verheißung Jahwes ging an den "charismatischen" Führer; das Volk tritt nunmehr selbst durch die Salbung Davids in den Bund mit Jahwe ein. Nach dem Tod des Sohnes Davids - Salomon - wird sich das Reich wieder spalten.


Antwortpsalm am Fest Christkönig (C)
Ps 122,1-5

R Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern. – R

Ich freute mich, als man mir sagte:
„Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.“
Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem:
Jerusalem, du starke Stadt,
dicht gebaut und fest gefügt. - (R)

Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn,
wie es Israel geboten ist
den Namen des He m zu preisen.
Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht,
die Throne des Hauses David. – R


2. Lesung vom Christkönigssonntag, Lesejahr C:
Kol 1,12-20

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser:

Schwestern und Brüder!
Dankt dem Vater mit Freude!
Er hat euch fähig gemacht,
Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind.
Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen
und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
Durch ihn haben wir die Erlösung,
die Vergebung der Sünden.
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden,
das Sichtbare und das Unsichtbare,
Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten;
alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
Er ist vor aller Schöpfung,
in ihm hat alles Bestand.
Er ist das Haupt des Leibes,
der Leib aber ist die Kirche.
Er ist der Ursprung,
der Erstgeborene der Toten;
so hat er in allem den Vorrang.
Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen,
um durch ihn alles zu versöhnen.
Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen,
der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.



Die Lesung aus dem Kolosserbrief ist der Hymnus, der auch regelmäßig an jedem Mittwoch als Canticum der Vesper seinen Platz hat. Ein solcher Text muss große Bedeutung haben. Zentral ist die Aussage über Christus ab Vers Kol 1,15. Vorher ergeht die Aufforderung zum Dank für das Heilsgeschenk: Anteil am Los der Heiligen Reich Gottes ist zu erwarten Erlösung ist eine Wirklichkeit. Das alles ist so, weil Christus Ebenbild Gottes ist.


Bei dieser Lesung handelt es sich nicht um einen Prosatext, sondern um einen Hymnus. Als Hymnus muss diese Lesung auch vorgetragen werden. Neben den drei Cantica im Lukasevangelium (den Lobgesängen Zacharias', Marias und des greisen Simeon) und dem Christushymnus in Phil 2 wird auch in Kol 1 ein alter Hymnus überliefert, der uns mit der Frühzeit der Kirche verbindet. Thema dieses Hymnus: Wir sind der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich "seines" geliebten Sohnes. Im Lobpreis wird Jesus als der bekannt, in dem alles geschaffen wurde und geschaffen wird. Gipfelnd in dem "in ihm hat alles Bestand". Überraschend wagt der Hymnus, die Kirche als "neue Schöpfung" in den Lobpreis einzubeziehen. Sie erscheint als sein Leib. Und verweist dann aber immer wieder nur auf ihn, sie bezeugt (auch in ihrer Gestalt) die Fülle Gottes, die in ihm wohnt, die Versöhnung und den Frieden, den er gestiftet hat. Dietrich Bonhoeffer hat die Formulierung gewagt: Christus, als Gemeinde existierend. Im Hymnus wird der Ursprung der Kirche sichtbar, im Hymnus findet sie Wurzel und Profil - ein weites Panorama in einer dichten Sprache.


Dieser Abschnitt beinhaltet das sogenannte "Lied vom Gottesbild". Nach Ansicht mehrerer Exegeten stammt dieses "Lied" offensichtlich nicht vom Verfasser des Kolosserbriefes; es wurde als schon bekannter Text eingefügt. Kosmologische Begriffe und Ideen, die sich in diesem Text finden, trifft man aber bei Paulus und auch in der jungen Kirche immer wieder (vgl. Phil 2,66 ff.). Christus selbst ist das "Bild" Gottes; Erstgeborener aller Schöpfung. Er ist "Ursprung", Erstgeborener von den Toten. Christus ist Mittler der Schöpfung und Mittler der Erlösung. Erlösung ist möglich und wirklich, weil der Erlöser mit dem Schöpfer eins ist. Und sie ist nicht Methode, wie man aus der Welt hinaus kommt. Da die Welt der Bereich des Erlösers ist, geschieht die Erlösung in ihr und ist die Rückführung der Welt in ihren Ursprung. Christus als den Weltherren zu begreifen heißt nicht, eine Theorie über kosmische Mächte und Gestalten usw. zu entwerfen, sondern den Menschen als den Geschaffenen und den Erlösten zu begreifen; mit all den Möglichkeiten und Freiheiten des Glaubens.


Ruf vor dem Evangelium am Fest Christkönig (C)
Mk 11,9-10

Halleluja. Halleluja.

Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn!
Gesegnet sei das Reich unsres Vaters David.

Halleluja.


Evangelium vom Christkönigssonntag, Lesejahr C:
Lk 23,35-43

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit
verlachten die führenden Männer des Volkes und sagten:
Anderen hat er geholfen,
nun soll er sich selbst helfen,
wenn er der erwählte Messias Gottes ist.
Auch die Soldaten verspotteten ihn;
sie traten vor ihn hin,
reichten ihm Essig und sagten:
Wenn du der König der Juden bist,
dann hilf dir selbst!
Über ihm war eine Tafel angebracht;
auf ihr stand:
Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen,
verhöhnte ihn:
Bist du denn nicht der Messias?
Dann hilf dir selbst und auch uns!
Der andere aber wies ihn zurecht und sagte:
Nicht einmal du fürchtest Gott?
Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.
Uns geschieht recht,
wir erhalten den Lohn für unsere Taten;
dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
Dann sagte er:
Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.
Jesus antwortete ihm:
Amen, ich sage dir:
Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.



Ein König hat Macht. Wenn Jesus der König der Juden ist, soll er die Macht zeigen. Der Spott der Umstehenden ist einfach: In der Situation des Gekreuzigt-Seins kann Jesus keine Macht zeigen. Er wirkt ohn-mächtig. Die Frage des rechten Schächers verändert. Die Macht der Liebe verbleibt Jesus. Sie kann er noch immer ausspielen. Die Antwort im Versprechen des Paradieses ist feierlich und eines königlichen Dekrets angemessen. "Amen, ich sage dir" kann nur wie eine Fanfare vor dem großen Satz sein: "Du wirst mit mir im Paradies sein." Wenn der Schächer mit Gott ist, erlebt er Gottes Treue.


Das Evangelium am letzten Sonntag im Kirchenjahr ist der (lukanischen) Passionsgeschichte entnommen. Dass Christus König ist (und wie er es ist) erschließt sich in ihr. Einerseits ist es der Spott, der diesem "König" entgegenschlägt (von den führenden Männern des Volkes und den Soldaten), andererseits die Hoffnung auf "sein Reich" (ausgesprochen von einem Verbrecher). Einerseits die zynische Provokation, er möge sich selbst helfen, wenn (!) er der erwählte Messias Gottes sei, andererseits die Zurechtweisung, die aus einer gemeinsamen Erfahrung resultiert, ihn aber als Unschuldigen bezeugt. Diese Bewegungen prägen die Geschichte. Bewegungen sind noch keine Begegnungen. Die führenden Männer des Volkes bleiben unter sich. Im Spott allerdings verlieren sie ihre Fassaden - und ihre Herzen. Den Soldaten bleiben nur die alten Mittel: Gewalt und - der beißende Essiggeruch in der Nase, der ihre Sinne taub macht. Zu einer Begegnung, die Leben verheißt, wird das kurze Zwiegespräch an den Kreuzen, oben, dem Spott entwunden. Das Evangelium endet mit dem Wort Jesu: "Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." Mit Paradies ist das "Reich" dieses Königs gemeint, der das "gleiche Urteil", das ihn mit Verbrechern verbindet, annimmt. Was in dieser Szene steckt, enttarnt Verbrechen jedweder Couleur, stellt die führenden Männer des Volkes mit den Verbrechern auf eine Stufe - und offenbart eine Barmherzigkeit, um die ein Mensch - unabhängig von seiner Lebensgeschichte - nur bitten kann: "Denk an mich." In dieser Szene steckt auch, dass der - auch so angesprochene - König den Erwartungen seiner Henker nicht entspricht: Er nimmt den Tod an, um ihn zu überwinden. Der "König der Juden" verspricht im Sterben das Paradies, aus dem die (ersten) Menschen einst vertrieben wurden. Noch rigoroser kann dem Tod das letzte Wort nicht genommen werden. Noch ein Blick zurück: Nach der Vertreibung aus dem Paradies beginnt mit der Geschichte von Kain und Abel die Geschichte von Neid und Mord - hier im Evangelium sehen wir den Mörder, wie er in das Paradies zurückkehrt. "Mit ihm". Der Tod liebt die Geschichten, die nur in Fortsetzungen erzählt werden können. Aber ihm muss der Stoff ausgehen, wenn das Leben gelingen soll. Dass das hier oben zwischen zwei bzw. drei Kreuzen ausgemacht wird, sagt alles über das Königtum Christi aus.


Der Abschnitt zeigt dem Leser und Hörer, was bei der Kreuzigung wirklich geschehen ist: Die Führer des Volkes lassen Jesus als politischen Verbrecher kreuzigen und sehen darin einen Erweis seiner Ohnmacht. Der Gekreuzigte hingegen vermag, trotz der scheinbaren Ohnmacht, jedem Schuldigen, der sich an ihn wendet, schon unmittelbar nach dem Tod die "Lebensgemeinschaft" zu gewähren. Dies entspricht letztlich seiner Macht als "Christus Gottes", als Gesalbter und Erwählter. Die von Pilatus verfügte am Kreuz angebrachte Aufschrift wird als Ausdruck der Verhöhnung unterstrichen. Einer der Mitgekreuzigten stimmt in diese Blasphemie ein. Der andere tadelt dieses Vorgehen und bekennt seine eigene Schuld und bittet Jesus um rettende Fürsprache. Die ältesten Handschriften formulieren: "wenn du in dein Reich kommst", und meinen damit Jesu Eintritt in seinen räumlich vorgestellten Herrschaftsbereich. Jesus antwortet souverän: "Amen"; und sichert ihm die Erfüllung für "heute" zu; also nicht erst bei der Parusie, am Ende der Zeit, dem Kommen des Herrn.