Wählen Sie Ihre gewünschte Schriftgröße



Lesungen 18.12.2016


1. Lesung vom 4. Adventsonntag, Lesejahr A:
Jes 7,10-14

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Der Herr sprach noch einmal zu Ahas; er sagte:
Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen,
sei es von unten, aus der Unterwelt,
oder von oben, aus der Höhe.
Ahas antwortete:
Ich will um nichts bitten
und den Herrn nicht auf die Probe stellen.
Da sagte Jesaja:
Hört her, ihr vom Haus David!
Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen?
Müßt ihr auch noch meinen Gott belästigen?
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen,
sie wird einen Sohn gebären,
und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns



Die Lesung aus dem Buch Jesaja steht am Anfang des Propheten. In der Zeit der Bedrohung Jerusalems waren die Hoffnungszeichen wichtige Schritte in der Durchhaltekraft des Volkes. In dieser Situation setzt Gott die Hoffnungszeichen der Jungfrau und des symbolischen Namens ihres Kindes: Gott mit uns. In der Auslegungsgeschichte gibt es einen Streit, wie man den Vers 14 zu deuten hat: Geht es um die Jungfrau oder die junge Frau? Da hier aus der Übersetzung auch Konsequenzen für Verständnis und Interpretation entstehen, ist dieser Text sehr wichtig.


Wie an den drei vorigen Sonntagen stammt die alttestamentliche Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja. Es ist einer der bekanntesten Texte des gesamten Buches und enthält die berühmte Weissagung von der Geburt des Immanuel, was übersetzt heißt "Gott ist mit uns". Das prophetische Wort Jesajas ergeht im Laufe eines Gesprächs an den jüdischen König Ahas während eines Krieges im Jahre 732 v. Chr.


Der König Ahas muß eine politische Niederlage hinnehmen und verschanzt sich in Jerusalem. Zugleich sieht er sich nach einem Bundesgenossen um, der ihm aus der Bedrohung helfen könnte. Er plant, den König von Assur um Hilfe anzugehen. Dies hätte nicht nur politische sondern auch religiöse Folgen gehabt: Die Staatsgötter der Schutzmacht müßten anerkannt werden, die Bilder im Tempel aufgestellt werden. In dieser Situation richtet Jesaia seine Botschaft an Ahas. Er fordert ihn auf, Assur nicht um Hilfe zu bitten, sondern allein der Hilfe Gottes zu vertrauen. Die vom König geforderte Entscheidung besteht in der Wahl zwischen der vertrauensvollen Treue zu Gott oder dem Abfall zu Götzen. Verse 10-11: Im Auftrag Gottes will Jesaia Ahas zu einer klaren Glaubensentscheidung bewegen. Der Prophet fordert den König auf, sich ein Zeichen von Gott zu erbitten, das ihm Jahwes Gegenwart und Wirkmacht verbürgt. Das angebotene Zeichen soll dem Glauben des Ahas dienen. Vers 12: Ahas leht es ab, ein Zeichen zu fordern, weil er angeblich den Herrn nicht versuchen will. Die Antwort, Gott nicht versuchen zu wollen, ist eine Ausrede und eine Verweigerung des Glaubens. Ahas zieht es vor, sich auf seine "Real-Politik" und nicht auf die Verheißung Gottes zu verlassen. Vers 13: Gott läßt sich nicht "ausmanövrieren", schon gar nicht von frommen Sprüchen. Gottes Geduld mit dem König ist erschöpft, seine Langmut zu Ende. Vers 14: Was der Prophet ausspricht, kann ein Heilswort gleichzeitig wie eine Gerichtsdrohung für Ahas sein. Er verheißt einen im Gegensatz zu Ahas stehenden Idealkönig; mit ihm soll nach vorausgegangener Katastrophe eine Ära paradiesischen Glücks anheben. Gott bleibt der David gegebenen Verheißung treu, wird jedoch die gegenwärtig regierenden Linie unterbrechen und einen Neubeginn setzen. Haupthandelnder dabei ist der persönlich eingreifende Gott. Er wird sich bei seinem Eingreifen einer mit David verbundenen "Jung-Frau" bedienen, die an Gottes Gegenwart und Handeln glaubt und diesem ihrem Glauben Ausdruck verleiht, daß sie ihren Sohn Emmanuel, d.h. "Gott ist mit uns" nennt.


Antwortpsalm am 4. Adventssonntag (A)
Ps 24,1-6

R: Der Herr wird kommen,     (GL neu 263)
er ist der König der Herrlichkeit. - R

Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt,
der Erdkreis und seine Bewohner.
Denn er hat ihn auf Meere gegründet,
ihn über Strömen befestigt. - (R)

Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn,
wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?
Der reine Hände hat und ein lauteres Herz,
der nicht betrügt und keinen Meineid schwört. - (R)

Er wird Segen empfangen vom Herrn
und Heil von Gott, seinem Helfer.
Das sind die Menschen, die nach ihm fragen,
die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs. - R


2. Lesung am 4. Adventsonntag, Lesejahr A:
Röm 1,1-7

Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer:

Paulus, Knecht Christi Jesu,
berufen zum Apostel,
auserwählt, das Evangelium Gottes zu verkündigen,
das er durch seine Propheten im voraus verheißen hat
in den heiligen Schriften:
das Evangelium von seinem Sohn,
der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids,
der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes
in Macht seit der Auferstehung von den Toten,
das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn.
Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen,
um in seinem Namen alle Heiden
zum Gehorsam des Glaubens zu führen;
zu ihnen gehört auch ihr,
die ihr von Jesus Christus berufen seid.
An alle in Rom, die von Gott geliebt sind,
die berufenen Heiligen:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.



Die zweite Lesung ist aus dem Brief an die Römer. Paulus schrieb diesen Brief im Frühjahr des Jahres 56 von Korinth aus, wo er sich für einige Zeit aufhielt. Der Römerbrief ist der erste Kontakt des Paulus mit der christlichen Gemeinde in der Hauptstadt des Weltreiches. Der Lesungstext umfasst die sieben Verse des Briefeinganges, den Paulus in kunstvoller Sprache formuliert. Der Apostel erläutert hier sein Verständnis des eigenen, von Christus stammenden Auftrages.


Vers 1: Paulus fühlt sich als "Knecht Jesu Christi" berufen zum Apostel. Kein Übermensch, kein für eigenes Schaffen begeisterte Genialität, sondern ein durch sein "Ostererlebnis" gebundener Sendbote stellt sich der römischen Christengemeinde vor. Nicht ein Herr, sondern ein Knecht, als ein "Sklave Christi" und dennoch ein "berufener Apostel". Als solcher betrachtet sich Paulus als mit göttlicher Vollmacht Beauftragter. So steht er in einem ganz nahen Eigentumsverhältnis zu Gott. Vers 2: Der Inhalt der paulinischen Frohbotschaft ist "Jesus Christus, unser Herr". In Jesus Christus begegnen sich zwei Ebenen, einen bekannte und eine unbekannte. Die bekannte Ebene ist die von Gott geschaffene, aber aus ihrer ursprünglichen Einheit mit Gott herausgefallene und deshalb erlösungsbedürftige Welt. Verse 3-4: Wer beziehungsweise was Jesus eigentlich ist, zeigt dem gläubigen Auge erst Jesu Auferstehung. Er ist Gottes "Sohn". "Sohn" und "Herr" sind die beiden Titelaussagen, die in der Mitte der paulinischen Christologie stehen. Verse 5-6: Paulus ist sich bewußt, daß sein Apostelamt eine ganz besondere Gnade Gottes ist. So ist dieses auf Glaubensgehorsam angelegt. Die Heilsbotschaft Gottes, die Paulus verkündet, verlangt notwendig Gehorsam. Diesen Glaubensgehorsam verlangt Paulus als Apostel "allen Völkern" ab. Verse 7: Die Glaubensbotschaft, für die sich Paulus in ganz besonderer Weise verpflichtet weiß, gilt auch der römischen Christengemeinde. Die römischen Christen sind "Berufene Christi", "Geliebte Gottes" und "berufene Heilige". Alle Ehre kommt den Christen ausschließlich von Christus her. Die Verbundenheit zwischen Paulus und der römischen Christengemeinde ist für Paulus ausschließlich durch die gemeinsame Berufung grundgelegt und gegeben. Paulus wendet sich an alle römischen Gemeindemitglieder. Deshalb wünscht er auch "allen Geliebten Gottes in Rom, den berufenen Heiligen" Gnade und Friede von Gott. Natürlich steht dabei weniger die Ortsbezeichnung im Vordergrund als die Heilstatsache, daß die Leser "Geliebte Gottes" und "berufene Heilige" sind. Die römische Christengemeinde wird so von Paulus in die gesamte Christengemeinde eingeordnet.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Adventssonntag (A)    
Mt 1,23

Halleluja. Halleluja.
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen,
einen Sohn wird sie gebären,
sein Name wird sein: Immanuel - Gott mit uns.
Halleluja.


Evangelium vom 4. Adventsonntag, Lesejahr A:
Mt 1,18-24

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Mit der Geburt Jesu Christi war es so:
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt;
noch bevor sie zusammengekommen waren,
zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete -
durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann, der gerecht war
und sie nicht bloßstellen wollte,
beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte,
erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte:
Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht,
Maria als deine Frau zu dir zu nehmen;
denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären;
ihm sollst du den Namen Jesus geben;
denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen,
einen Sohn wird sie gebären,
und man wird ihm den Namen Immanuel geben,
das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.
Als Josef erwachte,
tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte,
und nahm seine Frau zu sich.



Die Traumgeschichte des Josef ist die Fokussierung des vorangehen¬den Stammbums Jesu auf den Erlöser selbst. In dieser Geschichte wird nun ausgedeutet, wie der Gottessohn göttlich und doch ganz und gar als Mensch in die Welt kommt. Den Rahmen bildet der soziale Konflikt um die Gottesmutter, die scheinbar außerehelich empfangen hat. Die Traumgeschichte setzt Josef an seine sozial korrekte Position: Er ist Haupt der Familie, der über die Frau bestimmt und sie zu sich nimmt; er ist es schließlich, der die Verantwortung für den Kindsnamen trägt. Die Jungfrauengeburt verdeutlich den göttlichen Charakter des Kindes, der in seinem Leben immer wieder bekannt wird: Bei der Taufe im Jordan, wird Jesus als ‘geliebter Sohn’ vorgestellt, Petrus nennt Jesus „Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Mit der Empfängnis aus dem Heiligen Geist und mit der Jungfrauengeburt beginnt diese Qualität bereits vorgeburtlich.


Die Erzählung ist eine Erklärung des Geheimnisses der Herkunft Jesu. Dahinter steht die Glaubensüberzeugung, welche bereits das Urchristentum hatte, dass nämlich Jesus ein Kind des Heiligen Geistes und nicht ein Kind des Josef ist sowie dass die Geburt Jesu ein prophetisch vorausgesagtes Erlösungsgeschehen bedeutet, welches die Empfängnis durch eine Jungfrau einschließt. Dieser Inhalt wird in der Evangelienperikope im Rahmen einer Geschichte erzählt, in welcher ein Traum Josefs und das deutende Wort eines Engels beschrieben werden. Ein mit dem bloßen Verstand unfassbares Offenbarungsereignis soll so auf menschlich nachempfindbare Weise nahegebracht werden. Traumoffenbarungen sind der antiken Vorstellungswelt nicht außergewöhnlich. Ebenso nicht außergewöhnlich ist dem mit der biblischen Tradition vertrauten Menschen die Figur des Engels als Offenbarungsmittler (vgl. etwa Gen 28,11-16; 31,11-13). Als Hintergrund setzt die Erzählung die Verhältnisse hinsichtlich der jüdischen Eheschließung voraus. Josef war schon mit der Verlobung der rechtliche Ehegatte von Maria. Doch erst mit der Überführung in sein Haus hätte die eigentliche eheliche Gemeinschaft begonnen. Wenn sich eine Frau in der Zeit zwischen der Verlobung und der Überführung in das Haus des Ehegatten mit einem anderen Mann einließ, galt dies im Normallfall als Ehebruch. Josef, der um die Schwangerschaft Mariens weiß, entschließt sich, ihr in diskreter Weise einen Scheidungsbrief auszustellen. Er möchte sie nicht der Bestrafung wegen Ehebruchs ausliefern (vgl. Dtn 22,23f). In diese Situation fügt sich nun der Offenbarungstraum. Neben einer Erklärung über die Herkunft des Kindes, mit dem Maria schwanger geht, enthält dieser Traum den Hinweis auf die Bedeutung dieses Kindes. Es soll ihm der Name "Jesus" gegeben werden. Dahinter steht das hebräische "Jehoschua", was soviel heißt wie "Jahwe ist Hilfe". Weiters wird auf Jes 7,14 verwiesen, wo eine Rettergestalt mit dem Namen "Immanuel" - "Gott mit uns" verheißen wird. In Jesus, so die Aussageabsicht, ist Gott rettend, schützend, helfend, tröstend seinem Volk nahe und gegenwärtig. Dies gilt nicht bloß für das alttestamentliche Gottesvolk, sondern auch für jenes des Neuen Testaments, für die Kirche. Und es gilt bis an das Ende der Zeiten.


Die als "erweiterte Fußnote" zu Mt 1,16 angefügte Darstellung, wie die Erzeugung Jesu durch den Heiligen Geist Josef offenbart wurde, ist eine in Erzählform gebotene christliche Erklärung des Geheimnisses der Herkunft Jesu. Die Matthäus aus der Glaubensüberzeugung urchristlicher Kreise gewisse Tatsache, daß nicht Josef, sondern der Heilige Geist der wahre Erzeuger Jesu ist, wird schon in Vers 18 ausgesprochen. Die Bedenken des "gerechten" Josef werden vom Offenbarungsengel durch die Enthüllung zerstreut, daß das Kind im Schoße Marias vom Heiligen Geist gezeugt ist. Ein weiteres Wort offenbart ihm, daß es ein Knabe ist, dem er den Namen Jesus geben soll. Daran schließt Matthäus ein Erfüllungszitat (Verse 22-23): Es ist ein prophetisch vorhergesagtes Geschehen, das die jungfäuliche Empfängis einschließt und im Zusammenhang der Erlösung steht. Offenbarungen durch Träume sind in der antiken Welt verbreitet. Engel sind für das Judentum häufig Offenbarungsvermittler und auch dem Urchristentum als Boten Gottes vertraut. Es sind Darstellungsweisen für ein sonst unfaßbares Offenbarungsgeschehen. Die Überlegungen Josefs setzen die Verhältnisse jüdischer Eheschließung und jüdische Anschauungen voraus. Schon mit der Verlobung (Heiratsvertrag) ist Josef rechtlich der Ehegatte Marias, doch mit der Überführung in sein Haus beginnt die eheliche Gemeinschaft. Wenn sich eine Braut mit einem anderen Mann einließ, galt das als Ehebruch. Josef, der die Schwangerschaft Marias erkennt, will sie nicht "bloßstellen", nicht in Verruf bringen, sondern ihr im Stillen den Scheidebrief ausstellen, damit sie nicht beschämt oder gar als Ehebrecherin bestraft wird. Hauptpunkt der Offenbarung ist die Herkunft des Kindes vom Heiligen Geist. Trotz des Ausdrucks "erzeugt" bleibt (wie bei Lk 1,35) jede geschlechtliche Vorstellung fern, anders als in heidnischen Mythen, wo Götter mit Jungfrauen geschlechtlich verkehrten. Der Gedanke der geisterzeugten jungfräulichen Empfängnis hat eher an jüdisch-hellenistischen Vorstellungen einen Anhalt. Matthäus will mit der Erzählung zugleich die Bedeutung des göttlichen Kindes den Lesern vor Augen führen. In der Namensgebung, die hier Josef zufällt, wird Jesus, abgeleitet von hebräisch Jehoschua (= Jahwe ist Hilfe), als Retter seines Volkes vorgestellt. Für Matthäus gewinnt der in Jes 7,14 dem Kind beigelegte Name "Immanuel" (= "Gott mit uns") eine hervorragende Bedeutung. Denn in Jesus ist Gott helfend, rettend, schützend mit seinem Volk und im Ausblick auf das neue Gottesvolk diesem nahe und gegenwärtig bis ans Ende der Welt.