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Lesungen 02.11.2016


1. Lesung vom Gedenktag Allerseelen, 1. Messformular:
2 Makk 12, 43-45

Lesung aus dem zweiten Makkabäerbuch:

In jenen Tagen veranstaltete Judas, der Makkabäer,
eine Sammlung, an der sich alle beteiligten,
und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem,
damit man dort ein Sündopfer darbringe.
Damit handelte er sehr schön und edel;
denn er dachte an die Auferstehung.
Hätte er nicht erwartet,
dass die Gefallenen auferstehen werden,
wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen,
für die Toten zu beten.
Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen,
der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben.
Ein heiliger und frommer Gedanke!
Darum ließ er die Toten entsühnen,
damit sie von der Sünde befreit werden.



Die makkabäische Bewegung kämpfte im 2. Jh. v. Chr. gegen die Entweihung des Tempels von Jerusalem und andere gegen den jüdischen Glauben gewandte Maßnahmen, die von den seleukidischen Besatzern Palästinas veranlasst wurden.Judas Makkabäus war ein wichtiger Führer dieser Bewegung. Von ihm erhielt sie auch ihren Namen. Er und viele andere trat unter großem Opfermut für den ursprünglichen jüdischen Glauben ein. Es gab viele Gefallene. Mehrfach wird in diesem Zusammenhang im Zweiten Makkabäerbuch von der leiblichen Auferstehung gesprochen, so auch in dieser Perikope. Ebenso ist die Stelle bedeutsam durch die Betonung der Wirksamkeit des Bittgebets für die Verstorbenen. Beides - Auferstehung und Bittgebet für die Verstorbenen - sind Vorstellungen, die im Alten Testament relativ nicht immer schon im Blick waren, sondern relativ spät auftauchten.


Antwortpsalm zum Gedenktag Allerseelen (1. Messformular)
Ps 130,1-8

R: Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. R

Aus der Tiefe rufe ich, Herr zu dir:
Herr, höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu;
achte auf mein lautes Flehen! - (R)

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,
Herr, wer könnte bestehen
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient. - (R)

Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf den Herrn
mehr als die Wächter auf den Morgen. - (R)

Mehr als die Wächter auf den Morgen
soll Israel harren auf den Herrn.
Denn beim Herrn ist die Huld,
bei ihm ist Erlösung in Fülle.
Ja, er wird Israel erlösen von all seinen Sünden. - R


2. Lesung vom Fest Allerseelen, 1. Messformular:
1 Thess 4,13-18

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher:

Wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen,
damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.
Wenn Jesus - und das ist unser Glaube -
gestorben und auferstanden ist,
dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen
zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen.
Denn dies sagen wir euch nach einem Wort des Herrn:
Wir, die Lebenden, die noch übrig sind, wenn der Herr kommt,
werden den Verstorbenen nichts voraushaben.
Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen,
wenn der Befehl ergeht,
der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt.
Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen;
dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind,
zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt,
dem Herrn entgegen.
Dann werden wir immer beim Herrn sein.
Tröstet also einander mit diesen Worten!



Der Abschnitt des Ersten Thessalonicherbriefs eröffnet in der Absetzung zu den vorherigen Versen über die Bruderliebe ein neues Thema: die Entschlafenen. Es wird abgelöst im 5. Kapitel vom Thema Zeiten. Zunächst argumentiert Paulus mit seiner eigenen Glaubensüberzeugung und dem Lebensschicksal Jesu. Dann erfolgt eine zweite Begründung, der er wie auch im Eucharistiethema des 1. Korintherbriefs besonderes Gewicht verleiht, indem er ein Argument als Herrenwort kennzeichnet. Schließlich werden apokalyptische Bilder der Zeit benutzt. Am Anfang und Ende des Abschnitts steht noch einmal die Zielbestimmung: Wir wollen euch besser stellen als die Hoffnungslosen. Und tröstet die Menschen.


Paulus richtet sich in diesem Brief an die heidenchristliche Gemeinde der Thessalonicher. Man kann davon ausgehen, dass dieser Abschnitt deshalb geschrieben wurde, weil den Thessalonichern das Heil der Verstorbenen ungewiss war. Angesichts der Erwartung des nahenden Gottesreiches ist es verständlich, dass sich die Thessalonicher nicht auf die allgemeine Erfahrung des Todes einstellten. Sie erwarteten, dem wiederkommenden Jesus als noch Lebende zu begegnen. Aber nun machen sie die Erfahrung, dass Gemeindemitglieder sterben. Mit dem Hinweis auf das Sterben und die Auferstehung Jesu erschließt Paulus die Hoffnung, dass auch die bereits verstorbenen Gemeindemitglieder zur Herrlichkeit gelangen werden. Paulus will nicht über die bereits "Entschlafenen" reden, sondern er will einer Haltung entgegenwirken, die von Hoffnungslosigkeit beherrscht ist. Paulus macht klar, dass Rat- und Hoffnungslosigkeit angesichts des Todes nicht Sache der Christen ist, wie auch immer die Erwartung für die Zukunft der Toten sein mag.


Paulus versucht, in diesem Abschnitt von seinem um 50 n. Chr. in Korinth verfassten Brief an die Thessalonicher auf eine der beiden Fragen, die die Gemeinde stellt, eine Antwort zu geben. Nach der Frage des Umgangs miteinander (4,1-12), die Schwierigkeiten im Zusammenleben innerhalb der Gemeinde voraussetzt, wird die Frage nach der Hoffnung gestellt. Dabei geht es um die Sorge, was mit den bereits Verstorbenen am Tag des Herrn passieren wird, ob die Verstorbenen am Heil, das den Lebenden zugesprochen wird, ebenso teilhaben werden. Die Antwort von Paulus ist eindeutig: Am Tag des Herrn werden alle Menschen, Lebende und Verstorbene, vereint sein im Heil, das ihnen der Kyrios schenkt.


Ruf vor dem Evangelium zum Gedenktag Allerseelen (1. Messformular)
vgl. Joh
11,25a. 26b

R: Christus Sieger, Christus König,
Christus Herr in Ewigkeit! – R

(So spricht der Herr:)
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Jeder, der an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!


Evangelium vom Gedenktag Allerseelen, 1. Messformular:
Joh 11,17-27

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit, als Jesus ankam,
fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.
Betanien war nahe bei Jerusalem,
etwa fünfzehn Stadien entfernt.
Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen,
um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
Als Marta hörte, daß Jesus komme,
ging sie ihm entgegen,
Maria aber blieb im Haus.
Marta sagte zu Jesus:
Herr, wärst du hier gewesen,
dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Aber auch jetzt weiß ich:
Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr:
Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm:
Ich weiß, daß er auferstehen wird
bei der Auferstehung am Letzten Tag.
Jesus erwiderte ihr:
Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird auf ewig nicht sterben.
Glaubst du das?
Marta antwortete ihm:
Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist,
der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.



Die Perikope ist Teil der Erzählung von der Auferweckung des Lazarus (vgl. Joh 11,17-44). Die Kapitel 5 bis 12 des Johannesevangeliums können grob umrissen als eine große Glaubensschule des Evangelisten (mit Reden und Gleichnissen, Taten und Wundern) angesehen werden. Das heutige Stelle hat eine der letzten Fragen der Menschen zum Inhalt, den Tod. Die Erzählung ist kein medizinischer Bericht, sondern eine theologische Aussage über die Person Jesu und seine Macht. Erneut geht es um die Frage: "Wer ist Jesus?". Erneut wird eine "Ich-bin-Antwort" gegeben (vgl. 6,34; 8,12; 10,14; 14,6; 15,1). Einmal mehr zeigt der Evangelist der Welt, wen sie in Jesus Christus vor sich hat: Jesus, der Macht hat, den Menschen das Leben zu geben.


1. Lesung vom Fest Allerseelen, 2. Messformular:
Ijob 19,1. 2. 3-27

Lesung aus dem Buch Ijob:

Ijob ergriff das Wort und sprach:
Dass doch meine Worte geschrieben würden,
in einer Inschrift eingegraben
mit eisernem Griffel und mit Blei,
für immer gehauen in Fels.
Doch ich, ich weiß:
mein Erlöser lebt,
als letzter erhebt er sich über dem Staub.
Ohne meine Haut, die so zerfetzte,
und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen.
Ihn selber werde ich dann für mich schauen;
meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd.
Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.


Antwortpsalm zum Gedenktag Allerseelen (2. Messformular)
Ps 42,2-5; 43,3-4

R: Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott. – R


Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott. - (R)

Wann darf ich kommen
und Gottes Antlitz schauen?
Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke:
wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar,
mit Jubel und Dank in feiernder Menge. - (R)

Sende dein Licht und deine Wahrheit, damit sie mich leiten;
sie sollen mich führen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung.
So will ich zum Altar Gottes treten, zum Gott meiner Freude!
Jauchzend will ich dich auf der Harfe loben, Gott mein Gott. - R


2. Lesung vom Gedenktag Allerseelen, 2. Messformular:
Röm 8,14-23

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen,
sind Söhne Gottes.
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen,
der euch zu Sklaven macht,
so daß ihr euch immer noch fürchten müßtet,
sondern ihr habt den Geist empfangen,
der euch zu Söhnen macht,
den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!
So bezeugt der Geist selber unserem Geist,
daß wir Kinder Gottes sind.
Sind wir aber Kinder, dann auch Erben;
wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi,
wenn wir mit ihm leiden,
um mit ihm auch verherrlicht zu werden.
Ich bin überzeugt, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit
nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit,
die an uns offenbar werden soll.
Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig
auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen,
nicht aus eigenem Willen,
sondern durch den, der sie unterworfen hat;
aber zugleich gab er ihr Hoffnung:
Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit
befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Denn wir wissen,
daß die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt
und in Geburtswehen liegt.
Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben,
seufzen in unserem Herzen und warten darauf,
daß wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.



Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom, die er nicht selbst begründet hat, die er aber sehr wohl unterstützen will. In seiner Darstellung geht es Paulus um die Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes, die zu einem neuen Leben führt. Das neue Leben ist ein Leben im Geist, der frei macht und der uns bezeugt, daß wir in die Vater-Kind-Beziehung mit Gott hineingenommen sind - damit aber auch in den Tod und die Auferstehung Christi. Das hat Konsequenzen: auch wir werden leiden müssen. Die Aussicht auf die Herrlichkeit, die auch uns zuteil werden wird, läßt aufblicken und hoffen. *** Der Mensch ist ein Teil der ganzen Schöpfung. Das Leben der Christen in dieser Welt hat als Ziel die Herrlichkeit bei Gott. Der Weg dorthin ist gekennzeichnet durch Solidarität mit der Schöpfung, denn wir stehen wie alle Geschöpfe unter dem Gesetz der Vergänglichkeit. Doch als Christen haben wir eine sichere Hoffnung: Gott führt uns und alles Geschaffene den Weg zu Befreiung aus aller Knechtschaft und Verlorenheit hin zur Freiheit und Herrlichkeit, die ihren Grund allein in Gott hat.


Ruf vor dem Evangelium zum Gedenktag Allerseelen (2. Messformular)
vgl. Joh 14,2a.3b

R: Lob sei dir, Herr, König der ewigen Herrlichkeit! – R

(So spricht der Herr:)
Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.
Ich werde wiederkommen und euch zu mir holen,
damit auch ihr dort seid, wo ich bin.

Lob sei dir, Herr, König der ewigen Herrlichkeit!


Evangelium vom Gedenktag Allerseelen, 2. Messformular:
Joh 14,1-6

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott, und glaubt an mich!
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.
Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt:
Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe,
komme ich wieder und werde euch zu mir holen,
damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
Und wohin ich gehe -
den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm:
Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst.
Wie sollen wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater außer durch mich.



Der Abschnitt ist der Abschiedsrede Jesu vor seinen Jüngern entnommen. Aus diesem Kontext erschließt sich ihr besonderer Charakter. Die Jünger sind verunsichert und verwirrt, perspektivenlos und traurig. Unmittelbar vor dem ausgewählten Abschnitt stellt Petrus die Frage an Jesus: „Herr, wohin gehst du?“ Und Jesus antwortet: „Wohin ich gehe, dahin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.“ In der Stunde der Angefochtenheit des Glaubens durch den bevorstehenden irdischen Tod Jesu geht es um eine Sicherung und Bestärkung der Hoffnung auf ein „Darüberhinaus“. Die Vorstellung von den Wohnungen im Himmel findet sich auch in der zeitgenössischen Apokalyptik. Sie erhält aber eine spezifische christliche Prägung durch den Hinweis, dass es sich um die Wohnungen „im Haus meines Vaters“ handelt. Damit ist einerseits die besondere Qualität der Gottesbeziehung Jesu angesprochen, in die auch seine Jünger hineingenommen sind. Andererseits wird eine Sinndeutung des Todes Jesu eröffnet: Dem Sohn ist es möglich, in das Haus seines Vaters einzutreten. Durch ihn können dann auch alle ihm Zugehörigen in die himmlische Wohnstatt gelangen. In der Antwort Jesu auf die von Verständnislosigkeit gekennzeichnete Frage des Thomas wird dieser Gedanke präzise und programmatisch zusammengefasst. Auf die Frage nach dem Wohin antwortet Jesus mit einem eindrucksvollen „Ich bin …“. Ziel und Weg sind nicht voneinander getrennt. Deshalb besteht der Zugang zu Gott ausschließlich durch Christus. Wer das Licht der Wahrheit Gottes sucht, der hat sie in ihm schon gefunden. Und er hat bereits teil am ewigen Leben, weil eben Christus das Leben ist.


Der Abschnitt ist der Abschiedsrede Jesu vor seinen Jüngern entnommen. Aus diesem Kontext erschließt sich ihr besonderer Charakter. Die Jünger sind verunsichert und verwirrt, perspektivenlos und traurig. Unmittelbar vor dem ausgewählten Abschnitt stellt Petrus die Frage an Jesus: "Herr, wohin gehst du?" Und Jesus antwortet: "Wohin ich gehe, dahin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen." In der Stunde der Angefochtenheit des Glaubens durch den bevorstehenden irdischen Tod Jesu geht es um eine Sicherung und Bestärkung der Hoffnung auf ein "Darüberhinaus". Die Vorstellung von den Wohnungen im Himmel findet sich auch in der zeitgenössischen Apokalyptik. Sie erhält aber eine spezifische christliche Prägung durch den Hinweis, dass es sich um die Wohnungen "im Haus meines Vaters" handelt. Damit ist einerseits die besondere Qualität der Gottesbeziehung Jesu angesprochen, in die auch seine Jünger hineingenommen sind. Andererseits wird eine Sinndeutung des Todes Jesu eröffnet: Dem Sohn ist es möglich, in das Haus seines Vaters einzutreten. Durch ihn können dann auch alle ihm Zugehörigen in die himmlische Wohnstatt gelangen. In der Antwort Jesu auf die von Verständnislosigkeit gekennzeichnete Frage des Thomas wird dieser Gedanke präzise und programmatisch zusammengefasst. Auf die Frage nach dem Wohin antwortet Jesus mit einem eindrucksvollen "Ich bin …". Ziel und Weg sind nicht voneinander getrennt. Deshalb besteht der Zugang zu Gott ausschließlich durch Christus. Wer das Licht der Wahrheit Gottes sucht, der hat sie in ihm schon gefunden. Und er hat bereits teil am ewigen Leben, weil eben Christus das Leben ist.


1. Lesung vom Gedenktag Allerseelen, 3. Messformular:
Jes 25,6a. 7-9

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Der Herr der Heere wird auf diesem Berg - dem Zion -
für alle Völker ein Festmahl geben
mit den feinsten Speisen,
ein Gelage mit erlesenen Weinen,
mit den besten und feinsten Speisen,
mit besten, erlesenen Weinen.
Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle,
die alle Nationen verhüllt,
und die Decke, die alle Völker bedeckt.
Er beseitigt den Tod für immer.
Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht.
Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg.
Ja, der Herr hat gesprochen.
An jenem Tag wird man sagen:
Seht, das ist unser Gott,
auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt,
er wird uns retten.
Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung.
Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat.



Der Text der ersten Lesung ist in die sogenannte "Jesaja-Apokalypse" (Jes 24,1-27,13) verwoben, die erst um 200 v. Chr., also relativ spät nach dem historischen Propheten Jesaja, entstanden ist. Es geht in ihr um die Verwüstung der Erde und um die Vernichtung ihrer Bewohner, um den Untergang einer Stadt, aber auch um das Heil Israels und der Völker auf dem Berg Zion. Hinter all diesen Vorgängen läuft als durchgehender roter Faden der Versuch einer Schilderung, wie sich die Gottesherrschaft am Ende der Zeiten durchsetzen wird. Wichtig ist bei alledem: Apokalyptische Texte sind voll von Bildern und Symbolen. Man würde sie mißverstehen, legte man sie - wie es in manchen Sekten geschieht - als Vorausschau des realen Verlaufs des Weltenendes aus. Daß die Geschichte dieser Welt allerdings nicht endlos weiterlaufen wird, dies liegt mit Gewißheit in der Aussageabsicht apokalyptischer Texte. Damit soll aber ausschließlich Hoffnung, nicht Angst verbreitet werden. Die Lesungsperikope merkt man diese Hoffnungsdimension rundum an. Die Gottesherrschaft wird als ein Festmahl dargestellt, welches Jahwe für alle Völker auf dem Berg Zion bereitet. Wenn von der "Hülle, die alle Nationen verhüllt" (Vers 7) die Rede ist, dann ist mit diesem Bild der Tod gemeint. Jahwe beseitigt den Tod für immer. Deshalb wird es auf dem endzeitlichen Berg Zion auch keine Trauer, keine Tränen mehr geben. Die tiefste Wurzel des Todes und der Trauer in dieser Erdenzeit ist der Verlust der Nähe Gottes. Dieser Verlust wird einst durch die bleibende Gemeinschaft mit Gott ersetzt werden. Der Berg Zion gilt im Alten Testament an mehreren Stellen als Ort endzeitlichen Heils. "Zion" und "Jerusalem" sind dabei austauschbare Begriffe. War die Gottesstadt und mit ihr das Gottesvolk im Verlauf der konkreten Geschichte immer wieder ein Spielball der Mächte im Umfeld Israels, so ist am Ende der Zeiten die "Schande" (V. 8), welche oftmals über dem Volk lag und die im letzten als Verborgenheit Gottes gedeutet werden konnte, hinweggenommen.


Jesaja, der "Evangelist" des Ersten Testaments (vollständige Fassung um 2. Bis 1. Jhd. v. Chr.), erweitert in diesem Abschnitt seinen Horizont von den Völkern auf die ganze Erde aus. Dementsprechend von universaler Bedeutung ist seine Botschaft vom Heil, das Gott denen bereitet, die ihn lieben und fürchten, die ihre Hoffnung auf Jahwe setzen. Ausgedrückt wird das Heil im Bild vom Festmahl, das Jahwe auf dem Zion gibt. Dabei kommt Jerusalem mit seinem heiligen Berg als klassischer Ort der Nähe und Gegenwart Gottes in das Blickfeld und wird so in der Tradition des Judentums und des Christentums Ausdruck einer Sehnsucht inmitten von Leid, Weltuntergang und Unfrieden nach einem Leben, das nur Gott allein zu schenken vermag.


Antwortpsalm zum Gedenktag Allerseelen (3. Messformular)
Ps 23,1-6


R: Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen. - R


Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. - (R)

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. - (R)

Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
du füllst mir reichlich den Becher. - (R)

Lauter Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang,
und im Haus des Herrn
darf ich wohnen für lange Zeit. - R


Lesung vom Gedenktag Allerseelen, 3. Messformular:
Phil 3,20-21

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:

Unsere Heimat aber ist im Himmel.
Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn,
als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird
in die Gestalt seines verherrlichten Leibes,
in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.



Der Text der zweiten Lesung entstammt dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper, genauerhin jenem Teil dieses Briefes, in dem sich Paulus mit Gegnern und Irrlehrern in der Gemeinde auseinandersetzt. Darunter sind solche, die sich als "Feinde des Kreuzes Christi" (Phil 3,18) gerieren. Sie versuchen die christliche Botschaft vom harten Anspruch des Kreuzes zu lösen, glauben sich schon im Besitz des ewigen Heils und haben eine Abscheu vor hohen ethischen Ansprüchen. Ihr Sinnen und Trachten geht auf das Diesseitige und Irdische. Dem hält der Apostel entgegen - und damit setzt die Lesungsperikope ein -, daß die wahre Heimat der Christen nicht diese Welt, sondern der Himmel sei. Allerdings: Man ist in dieser Heimat noch nicht angelangt. Christsein bedeutet, im Wartezustand zu leben. Erst der wiederkommende Herr Jesus Christus wird die endgültige Erlösung herbeiführen. Seine Rettungstat erstreckt sich auf die Umgestaltung unseres vergänglichen Leibes, der von vielen physischen und moralischen Gebrechen geprägt ist, in den Leib seiner himmlischen Herrlichkeit. Damit ist der Prozeß der Angleichung an Jesus Christus, der für den Gläubigen schon in diesem Leben bestimmend ist, zur Vollendung geführt. Mit "Leib" ist bei Paulus mehr als der Körper gemeint. Unter "Leib" wird die gesamte leiblich-irdische Existenz des Menschen verstanden, die ganze bunte oder verworrene Lebensgeschichte, alles, was ein Mensch erlebt und erlitten hat, was er getan und unterlassen hat. Dieser gesamten Existenz des Menschen ist in der Vollendung endgültig erfüllendes Leben, eben das Leben Jesu Christi geschenkt. Hinter den Ausführungen des Apostels könnte im ganzen die provozierende Frage stehen: Ist euch diese Vollendung eine Verlockung, sehnt ihr euch nach dem Himmel? Zugleich stellen die Ausführungen einen starken Impuls dar, die Angst vor dem Ende zu überwinden: Es geht der Heimat zu!


In diesem Abschnitt des Philipperbriefes tritt Paulus gegen Irrlehrer in der Gemeinde auf. Offenbar sind es Personen, die mit der Kreuzestheologie des Paulus nicht viel anfangen können. Paulus fordert die Philipper auf, ihn selbst nachzuahmen und jene, die mit ihm in Einklang stehen. Es geht dabei nicht um Selbstbeweihräucherung oder Prahlerei. Ihm geht es um die Kreuzesnach-folge, die einige in der Gemeinde ablehnen. An seiner Lebesnweise kann abgelesen werden, wie die Kreuzesnachfolge gelebt werden kann. Darüber hinaus betont Paulus die Erwartung des Wiederkommens Christi. Er wird die Vollendung und Umgestaltung des irdischen Leibes bringen. Vermutlich betrachten sich die Gegner des Paulus bereits als vollendet und als teilhaftig des neuen Lebens und erwarten nicht mehr das Kommen Christi.


Ruf vor dem Evangelium zum Gedenktag Allerseelen (3. Messformular)
Mt 25,34

R: Lob dir, Christus, König und Erlöser! – R

(So spricht der Herr:)
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
nehmt das Reich in Besitz,
das seit Erschaffung der Welt für Euch bestimmt ist.

Lob dir, Christus, König und Erlöser!  


Evangelium vom Gedenktag Allerseelen, 3. Messformular:
Lk 7,11-17

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens Nain.;
seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.
Als er in die Nähe des Stadttores kam,
trug man gerade einen Toten heraus.
Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe.
Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.
Als der Herr die Frau sah,
hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr:
Weine nicht!
Dann ging er zu der Bahre hin und fasste sie an.
Die Träger blieben stehen und er sagte:
Ich befehle dir, junger Mann, steh auf!
Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen,
und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.
Alle wurden von Furcht ergriffen,
sie priesen Gott und sagten:
Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten:
Gott hat sich seines Volkes angenommen.
Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa
und im ganzen Gebiet ringsum.



Die Bedeutung der Erzählung von de Auferweckung eine jungen Mannes, des einzigen Sohnes einer Witwe, erschließt sich einerseits durch ihren Bezug zur Erzählung von der Erweckung des einzigen Sohnes der Witwe von Sarepta durch den Propheten Elija und andererseits durch ihre Stellung in der Erzählfolge bei Lukas. Zunächst fallen die Ähnlichkeiten mit der alttestamentlichen Parallelgeschichte auf: Auch dort begegnet Elija der Witwe am Stadttor, als diese sich aufmacht, um mit dem Rest ihrer Lebensmittel eine letzte Essen zuzubereiten und dann zu sterben. Elija erweist sich damit als Gottesmann. In der neutestamentlichen Erzählung wird der Wundertäter zunächst als Herr, als Kyrios, vorgestellt. Durch seine Wundertaten offenbart er sich den Menschen, die ihm folgen, und den Menschen, die ihm begegnen, als Herr über Leben und Tod. Nach vollbrachtem Wunder wird er als „großer Prophet“ erkannt und gepriesen. Lukas bringt als einziger Evangelist diese Erzählung. Er reiht sie in eine Abfolge von Wundertaten Jesu. nach der Heilung des Dieners des Hauptmannes von Kapharnaum ein. Auf diese beiden Begebenheiten folgt die Frage der Jünger des Täufers Johannes: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Jesus antwortet darauf nicht direkt, sondern verweist auf seine Wundertaten. Damit erfüllt sich die Prophezeiung des Jesaja und Jesus offenbart sich indirekt als der erwartete Messias. Der Aufbau der Erzählung folgt dem typischen Schema von Wunderberichten. Im Mittelpunkt steht das Erbarmen des Herrn mit der vom Schicksal geschlagenen Frau. Darin zeigt sich das Erbarmen Gottes mit den Schwachen und im Leben Benachteiligten. Die Gestalt der Witwe, deren einziger Sohn gestorben ist, lädt auch ein, bei dieser Gestalt als idealtypischem Bild zu verweilen. Sie steht für den armen Menschen, der rundum vom Tod bedrängt wird und dessen Leben sich nicht entfalten kann. Ihr Mann ist bereits verstorben und nun stirbt der einzige Sohn. Als allein stehende Frau gehört sie zu den ohnmächtigen Verlierern und zu den gesellschaftlich Schwachen. Lukas ist in seinem Evangelium bemüht, ein Bild von Jesus zu zeichnen, der sich gerade den Menschen auf den Schattenseiten des Lebens zugewendet hat und von diesen als Messias erfahren worden ist.