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Lesungen 22.01.2017


1. Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Jes 8,23b - 9,3

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Einst hat der Herr
das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet,
aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren,
das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden.
Das Volk, das im Dunkel lebt,
sieht ein helles Licht;
über denen, die im Land der Finsternis wohnen,
strahlt ein Licht auf.
Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude.
Man freut sich in deiner Nähe,
wie man sich freut bei der Ernte,
wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn wie am Tag von Midian
zerbrichst du das drückende Joch,
das Tragholz auf unserer Schulter
und den Stock des Treibers.



Ein Großteil des Nordreichs Israel (nicht das Südreich Juda) war im Jahr 732 v. Chr. dem assyrischen Reich angegliedert und eingegliedert worden. Dies betraf vor allem die Stämme Sebulon und Naftali. Die Bevölkerung wurde großteils verschleppt und das Land in die Dunkelheit der Fremdherrschaft hineingestoßen. Die Dunkelheit wird jedoch durch das aufstrahlende Licht erhellt. Finsternis ist Bild für die Not und Bedrängnis des Volkes und Licht das Bild für die Rettung und das Heil. Um die große Freude und den lauten Jubel zu schildern, wird auf zwei Gelegenheiten hingewiesen, bei denen sich ein agrarisches bzw. auch kriegerisches Volk besonders freut: Die Erntefreude und die Freude beim Beuteverteilen. Die Bedrückung durch die Assyrer, die hier als "Treiber dargestellt werden, wird vorübergehen. Aus der Geschichte wird auf den großen, durch göttliche Hilfe errungenen Sieg Gideons über die Midianiter (vgl. Ri 7) hingwiesen. Der "Tag Midians" war so etwas wie ein nationaler Gedenktag gewesen.


Antwortpsalm am 3. Sonntag im Jahreskreis
Ps 27,1. 4. 13-14


R Der Herr ist mein Licht und mein Heil. - R

Der Herr ist mein Licht und mein Heil:
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist die Kraft meines Lebens:
Vor wem sollte mir bangen? - (R)

Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich:
Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens,
die Freundlichkeit des Herrn zu schauen
und nachzusinnen in seinem Tempel. - (R)

Ich bin gewiss, zu schauen
die Güte des Herrn im Land der Lebenden.
Hoffe auf den Herrn, und sei stark!
Hab festen Mut, und hoffe auf den Herrn! - R


2. Lesung vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Kor 1,10-13.17

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Ich ermahne euch , Brüder,
im Namen Jesu Christi, unseres Herrn:
Seid alle einmütig,
und duldet keine Spaltungen unter euch;
seid ganz eines Sinnes und einer Meinung.
Es wurde mir nämlich, meine Brüder,
von den Leuten der Chloë berichtet,
daß es Zank und Streit unter euch gibt.
Ich meine damit,
daß jeder von euch etwas anderes sagt:
Ich halte zu Paulus
- ich zu Apollos
- ich zu Kephas
- ich zu Christus.
Ist denn Christus zerteilt?
Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt?
Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?
Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen,
sondern das Evangelium zu verkünden,
aber nicht mit gewandten und klugen Worten,
damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.



In der Gemeinde von Korinth gibt es ideologische Spaltungen, die durch die Berufung auf bestimmte Missionare und Lehrer hervorgetreten sind. Damit aber geht das Eigentliche an der christlichen Botschaft verloren. Denn: Nicht von der persönlichen Eigenart eines Predigers und letztlich auch nicht von seinem Charisma lebt die Gemeinde, sondern in erster Linie von der Kraft des Kreuzes Christi. Pazulus läßt erkennen, daß ein akuter Anlaß gegeben ist. Er nennt die Informanten, die ihm die entsprechenden Nachrichten zugetragen haben, mit Namen, beläßt sie also nicht in der Anonymität. Den Informationen, die Paulus zur Verfügung stehen, habe man sich gewöhnt, von vier Parteien zu sprechen, der Pauluspartei, der Apollospartei, der Petruspartei und der Christuspartei. Die Pauluspartei formierte sich aus den Paulusgetreuen und ist gewissermaßen eine Antwort auf das Entstehen anderer Gruppen, welche den Anspruch führten, den Anspruch des Paulus als Gemeindegründer und Gemeindeleiter abzuschütteln. Apollos, der dem hellenistischen Diasporajudentum Alexandriens entstammt, war gebildet, in der Schrift bewandert, redegewandt. Es kann nicht verwundern, daß sich um ihn in Korinth sehr bald begeisterte Anhänger scharten. Petrus wird wie meist bei Paulus mit seinem aramäischen Namen Kephas genannt. Seine Gefolgsleute sind sicher unter den Judenchristen zu suchen. Eine "Partei" ganz eigener Art waren diejenigen, die sich auf Christus berufen haben. "Ich aber gehöre zu Christus" kann für manchen von der Gemeinde geheißen haben: Ich gehöre einfach zu der Gemeinde ohne Wenn und Aber. Der Parteienstreit berührt mich gar nicht. Diese an sich richtige Haltung wird in dem Moment zum bloßen Standpunkt einer weiteren Partei, wo man sie polemisch gegen die anderen ins Spiel bringt. Ein dominierendes Thema wird angesprochen in der Gegenüberstellung von "Wort" und "Kreuz Christi": philosophische Worterklärung gegen den Inhalt der Verkündigung des Jesus als den Gekreuzigten zeigt Spuren der Auseinandersetzung mit den Sophisten und der frühjüdischen Gnosis (Christus als eine Weisheitsfigur mit dem göttlichen Logos identisch).


Ruf vor dem Evangelium am 3. Sonntag im Jahreskreis
Mt 4,23b

Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.


Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 4,12-23

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Als Jesus hörte,
daß man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte,
zog er sich nach Galiläa zurück.
Er verließ Nazaret,
um in Kafarnaum zu wohnen,
das am See liegt,
im Gebiet von Sebulon und Naftali.
Denn es sollte sich erfüllen,
was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
Das Land Sebulon und das Land Naftali,
die Straße am Meer,
das Gebiet jenseits des Jordan,
das heidnische Galiläa:
das Volk, das im Dunkel lebte,
hat ein helles Licht gesehen;
denen, die im Schattenreich des Todes wohnten,
ist ein Licht erschienen.
Von da an begann Jesus zu verkünden:
Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
Als Jesus am See von Galiläa entlangging,
sah er zwei Brüder,
Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas;
sie warfen gerade ihr Netz in den See,
denn sie waren Fischer.
Da sagte er zu ihnen:
Kommt her, folgt mir nach!
Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder,
Jakobus, den Sohn des Zebedäus,
und seinen Bruder Johannes;
sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot
und richteten ihre Netze her.
Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot
und ihren Vater und folgten Jesus.
Er zog in ganz Galiläa umher,
lehrte in den Synagogen,
verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.



Vielleicht war das Schicksal Johannes' des Täufers der Anstoß: Jesus beginnt sein öffentliches Wirken in seiner galiläischen Heimat. Er verbreitet die Botschaft vom Anbrechen des Reiches Gottes und vollbringt Krankenheilungen. Beides, die Verkündigung und die Wunder sind Zeichen jenes Heils, das Gott für die Menschen bereitet. Die Botschaft vom Reiche Gottes, von der Gottesherrschaft ist das Zentrale und Besondere, das Jesus als sein Evangelium wie ein Freudenbote verkündet. Die Gottesherrschaft ist weniger Gegenstand einer Lehre als ein in der Person Jesu selber sich verwirklichendes Geschehen. Vor dem öffentlichen Wirken aber berichtet das Matthäusevangelium die Berufung der ersten Jünger. Sie hören den Ruf und verstehen ihn mit ihrem Herzen, noch ehe sie mit dem Verstand begreifen oder auch nur erahnen, was die Nachfolge hinter diesem Herrn bringen wird. Es ist eine "typische" Jüngerberufungsgeschichte, bei der alles auf den Ruf der Nachfolge und die Reaktion der Gerufenen ankommt. Nachfolge Jesu kann – wie hier gezeigt wird – die Aufgabe des bisherigen Berufes und der angestammten Familie bedeuten. Die Jünger Jesu treten in eine neue "Familie" ein, gewissermaßen eine Keimzelle für das Reich Gottes.


Kurzfassung des
Evangeliums vom 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 4,12-17

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

Als Jesus hörte,
daß man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte,
zog er sich nach Galiläa zurück.
Er verließ Nazaret,
um in Kafarnaum zu wohnen,
das am See liegt,
im Gebiet von Sebulon und Naftali.
Denn es sollte sich erfüllen,
was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
Das Land Sebulon und das Land Naftali,
die Straße am Meer,
das Gebiet jenseits des Jordan,
das heidnische Galiläa:
das Volk, das im Dunkel lebte,
hat ein helles Licht gesehen;
denen, die im Schattenreich des Todes wohnten,
ist ein Licht erschienen.
Von da an begann Jesus zu verkünden:
Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.