Wählen Sie Ihre gewünschte Schriftgröße



Lesungen 29.01.2017


1. Lesung vom 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Zef 2,3; 3,12-12

Lesung aus dem Buch Zefanja:

Sucht den Herrn, ihr Gedemütigten im Land,
die ihr nach dem Recht des Herrn lebt.
Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut!
Vielleicht bleibt ihr geborgen
am Tag des Zornes des Herrn.
Und ich lasse in deiner Mitte übrig
ein demütiges und armes Volk,
das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn.
Der Rest von Israel wird kein Unrecht mehr tun
und wird nicht mehr lügen,
in ihrem Mund findet man kein unwahres Wort mehr.
Ja, sie gehen friedlich auf die Weide,
und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.



Zefanja wirkte um 640 in Jerusalem noch vor dem Propheten Jeremia. Er kündigte ein Gericht über Jerusalem an und geißelte vor allem die Jerusameler Oberschicht, die sich an die Sitten und Kultur der assyrischen Großmacht angepasst und die religiös-nationale Jahwehkultur mehr oder weniger verlassen hatte. Wie alle Propheten verkündete er aber auch Heil. Dieses werde den Gedemütigten zuteil, allen die Gerechtigkeit und Demut suchen. Den Herrn zu suchen heißt, ein neues Leben beginnen, Gerechtigkeit zu üben. Demut ist die Haltung, die die Glaubenden im Gegensatz zu den selbstherrlichen Reichen üben. Die Reichen vertrauen ihrem Reichtum und ihren Gesetzen, nicht mehr dem rettenden Gott. Die alten Verheißungen für Israel werden nach der Erwartung des Propheten nur dem Rest des Volkes zuteil werden.


Antwortpsalm am 4. Sonntag im Jahreskreis (A)
Ps 146,5. 7-10

R Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.- R
(Oder: Halleluja.)

Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist
und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.
Recht verschafft er den Unterdrückten,
den Hungernden gibt er Brot;
der Herr befreit die Gefangenen. - (R)

Der Herr öffnet den Blinden die Augen,
er richtet die Gebeugten auf.
Der Herr beschützt die Fremden
und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. - (R)

Der Herr liebt die Gerechten,
doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.
Der Herr ist König auf ewig,
dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. - R


2. Lesung vom 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Kor 1,26-31

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Seht auf eure Berufung, Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt
und das Verachtete hat Gott erwählt:
das, was nichts ist,
um das, was etwas ist, zu vernichten,
damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.
Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,
den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.
Wer sich also rühmen will,
der rühme sich des Herrn;
so heißt es schon in der Schrift.



Die 2. Lesung folgt der fortlaufenden Textfolge aus dem 1. Korintherbrief. Der dargebotene Abschnitt wird erst aus dem Zusammenhang verständlich. (Siehe längere Textfassung 1 Kor 1,18-31) Paulus wurde in Korinth in Abwesenheit von "konkurrierenden" Prediger angegriffen. Diese drohten die Gemeinde zu spalten. Einige von ihnen machten auf die Korinther einen nachhaltigeren Eindruck als Paulus selbst. Seine Predigt verblasste gegenüber der Gebildetheit einiger seiner Gegner, bzw. seine Betonung des Kreuzes Christi erregte Anstoß bei jüdisch ausgerichteten Predigern. Für sie war das Kreuz Jesu ein Ärgernis. Gegen sie verteidigt sich Paulus in zweifacher Weise: Er rechtfertigt einerseits sein bescheidenes Auftreten, seine offenbar schlichte Art zu predigen. Andererseits liegt der Grund für die Geringschätzung seiner Botschaft in der Botschaft selbst begründet. Für ihn ist die Torheit des Kreuzes ein wesentliches Merkmal christlichen Glaubens. Die Vorliebe Gottes für das Schwache und Geringe, das er erwählt und emporhebt, zeigt sich auch in der Berufung der Christen von Korinth. Die wenigsten von ihnen stammten aus der gesellschaftlichen Oberschicht. Sie waren auch nicht sonderlich gebildet. Die meisten rekrutierten sich eher aus der "Gosse" der Hafenstadt. Gerade darin liegt die Stärke ihres Glaubens und ihrer Berufung. Der Kernsatz seiner Verteidigung heißt: "Das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen."


Erweiterte Fassung der
2. Lesung vom 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
1 Kor 1,18-31

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit;
uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.
Es heißt nämlich in der Schrift:
Ich lasse die Weisheit der Weisen vergehen
und die Klugheit der Klugen verschwinden.
Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Welt?
Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?
Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes
auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte,
beschloß Gott, alle, die glauben,
durch die Torheit der Verkündigung zu retten.
Die Juden fordern Zeichen,
die Griechen suchen Weisheit.
Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten:
für Juden ein empörendes Ärgernis,
für Heiden eine Torheit,
für die Berufenen aber, Juden wie Griechen,
Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen,
und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. Seht auf eure Berufung, Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt
und das Verachtete hat Gott erwählt:
das, was nichts ist,
um das, was etwas ist, zu vernichten,
damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.
Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,
den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.
Wer sich also rühmen will,
der rühme sich des Herrn;
so heißt es schon in der Schrift.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Sonntag im Jahreskreis (A)
Mt 5,12a

Halleluja. Halleluja.

Freut euch und jubelt:
Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Halleluja.


Evangelium vom 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A:
Mt 5,1-12a

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah,
die ihm folgten,
stieg er auf einen Berg.
Er setzte sich,
und seine Jünger traten zu ihm.
Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte:
Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden;
denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben;
denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt
und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt:
Euer Lohn im Himmel wird groß sein.



Die Seligpreisungen sind gewiss ein Herzstück der Botschaft Jesu, und sie gehören zu den berühmtesten Abschnitten der Evangelien. Im Matthäusevangelium stehen sie am Beginn der Bergpredigt (Mt 5-7), welche Jesus als den neuen Mose stilisiert. Allerdings: Mose ist auf den Berg gestiegen, um stellvertretend für das Volk die Weisungen Gottes zu empfangen, wohingegen Jesus selber diese Weisungen gibt. Und: Es handelt sich nicht in erster Linie um eine Aufzählung von Pflichten oder gar Verboten, sondern um Verheißungen und Ermutigungen. Die vielen Menschen, die sich um Jesus scharen und zu denen er spricht, repräsentieren das ganze Volk Israel, an welches er die Botschaft vom Gottesreich zuerst und vor allem richtet. Die Jünger, die näher hinzutreten, stehen für all jene, die tatsächlich für sein Wort und seine Stimme empfänglich sind. Ihnen soll sich das ganze Volk anschließen bzw. umgekehrt: Sie sollen das Volk zur Teilhabe an der Reich-Gottes-Bewegung anstiften. Nach der Auferstehung wird sich der Bestimmungskreis der Botschaft Jesu entschieden ausweiten: Die Jünger werden den Auftrag erhalten, alle Völker mit seiner Lehre bekannt zu machen, alle Menschen dafür zu gewinnen. Nicht zufällig ergeht dieser Auftrag erneut auf einem Berg (Mt 28:16-20). Wie lassen sich die Seligpreisungen grundsätzlich deuten? Es handelt sich um Verheißungen und Ermutigungen für die Jünger Jesu auf ihrem Weg der Nachfolge. Sie beschreiben gewissermaßen den Wertmaßstab der Teilhabe am Reich Gottes, welches Jesus verkündet hat und das mit ihm angebrochen ist. Es geht um die innersten Haltungen des Herzen, die notwendig sind, um der von Jesus eröffneten Gemeinschaft mit Gott teilhaftig zu werden. Der Blick wird dabei zweifellos nicht bloß in die Zukunft gewendet. Besonders in der allerletzten Seligpreisung kommt zum Ausdruck, dass man, die Vollendung vor Augen, schon jetzt sich freuen und jubeln kann. Aber angesichts der starken Betonung des Endgerichts im Matthäusevangelium gilt wohl dennoch, dass die endgültige Einlösung der Verheißungen erst nach dem letzten Gericht zu erwarten ist. Im Aufbau lassen die Seligpreisungen eine kunstvolle und gezielte Anlage erkennen. Abgesehen von der Seligpreisung zum Schluss, in der Jesus über die Verfolgung um seinetwillen spricht und sich damit direkt an die zur Nachfolge bereiten Jünger wendet, handelt es sich um acht empfindsam und prägnant formulierte Verse. In den ersten vier geht es dabei mehr um eine geistig-menschlich-gesellschaftliche Mangelsituation, in der zweiten Viererreihe wird stärker auf das sittliche Bemühen abgehoben. Mit der ersten Seligpreisung wird zudem eine grundsätzliche Haltung angesprochen, die in allem wichtig und notwendig ist: das Armsein vor Gott, welches animiert, sein ganzes Vertrauen in Gott zu setzen und sich zutiefst seinem Erbarmen auszuliefern. Die erste und die achte Seligpreisung haben im übrigen dieselbe Verheißung, sie formulieren gewissermaßen die Grundvision: „denn ihnen gehört das Himmelreich“. Demgegenüber beinhalten die dazwischen liegenden Verse Verdeutlichungen bzw. Veranschaulichungen. „Das Land erben“ spielt etwa auf Ps 37 an: „Die Armen werden das Land bekommen, und sie werden Glück in Fülle genießen.“ Die Gottesschau und die Sohn-(Kind-)schaft Gottes bilden zweifellos den Höhepunkt der Verdeutlichung, was Himmelreich bzw. Gottesreich heißt. Dass wir Gott schauen und in allem Kinder Gottes sind, darum sollen wir uns strebend bemühen, aber mehr noch dürfen wir uns hoffend darauf freuen!


Die Evangelienstellle des Allerheiligentages wird auch als die Charta des Himmelreiches bezeichnet. In einer programmatischen Rede legt Jesus den Geist des Reiches Gottes dar. Im Matthäusevangelium ist in dieser grundlegenden Rede Jesu verschiedenster Überlieferungsstoff zusammengestellt. Es geht um eine tatbereite Entschiedenheit, die die Kinder Gottes auszeichnen soll. (Die sittliche Haltung des Menschen wird bei Mt mehr als bei Lk betont). Die Armen und Demütigen, die, die den Geist gläubiger "Kindlichkeit" haben, haben Anteil an den Segnungen Gottes. Für sie gelten die schon im Alten Testament geltenden Glückwunschformeln, in denen Weisheit, Wohlergehen und Frömmigkeit gepriesen werden. Die ersten 7 Seligpreisungen sind in sehr ähnlicher Form gestaltet, hingegen hebt sich die letzte formal deutlich ab. Im Mt 5:11 tritt Jesus selbst an die Stelle der in 5:10 erwähnten "Gerechtigkeit". Mit ihm kam die vollkommene Gerechtigkeit in die Welt (5:17). Durch ihn erhält das Gesetz seine Erfüllung und Vollendung. Die früheren Vorschriften sollen nun ins Innerste des Menschen vordringen und dort in Liebe erfüllt werden.


Wohl zu den berühmtesten Abschnitten der Evangelien zählen die Seligpreisungen, die ihrer Form nach Glückwünsche sind. Sie beschreiben aber auch Bedingungen für den Einlass in das Gottesreich. Bei Matthäus finden sich erweiterte Deutungen der Seligpreisungen (vgl. Lk 6,20-23). Matthäus hat aus dem Bericht bei Lukas (dort nur 3 Verse) und aus anderen überlieferten Worten Jesu eine große Rede geschaffen. Der Verfasser stellt Jesus dabei als den neuen Moses dar, der auf einem Berg die rechte Lehre predigt. Nicht um der Armut oder um der Verfolgung willen ist der Gläubige selig zu preisen, sondern weil er ja sagt und sich – im Idealfall – darüber sogar freuen kann. Er wird so Christus ähnlicher und erfährt in seiner eigenen Schwachheit die Kraft Gottes.


Als Festtagsevangelium werden am Allerheiligentag die Seligpreisungen aus dem Matthäusevangelium vorgetragen. Die Exegeten sprechen von unterschiedlichen Textschichten und Altersstufen innerhalb des matthäischen Textes. Am ältesten sind wohl die drei Glücklichrufe an die Armen, Trauernden und die, die gehaßt werden, wie sie bei Lukas (6,20f). überliefert werden. Diese Gruppen erbringen keinerlei Vorleistung. Jesu Verhalten macht deutlich, mit wem er sich an den Tisch setzen will, wem er sich zuwenden will. Es sind die Deklassierten. In den Seligpreisungen nach Lukas zeigt sich deutlich, wie sehr Gottes unbedingte Heilszusage frei und vorbehaltlos erfolgt. Im Text des Matthäus jedoch gewinnt die Sprache der Ethik die Oberhand. Hier kommt uns ein Anspruch entgegen, der uns leicht überfordern kann. Diese Spannung gilt es angesichts der ganzen Bergpredigt im Blick auf die Seligpreisungen auszuhalten. Viele entmutigt das beim Lesen und Hören. Aber das liegt nicht in der Absicht des Evangelisten. An uns ergeht der Ruf, unser Christentum nicht irgendwie und irgendwo zu leben, sondern sichtbar, konkret, im Versuch, so wie jede/jeder kann. Die Zusage des Heils gilt. Wer sie erfährt, vermag den Ausspruch Jesu zu leben. Jede/Jeder muß auf ihre/seine Weise das Evangelium gemeinsam mit anderen ausprobieren und wagen.