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Lesungen 19.03.2017


1. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr A:
Ex 17,3-7

Lesung aus dem Buch Exodus:

Das Volk dürstete nach Wasser und murrte gegen Mose.
Sie sagten:
Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt?
Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen?
Mose schrie zum Herrn:
Was soll ich mit diesem Volk anfangen?
Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich.
Der Herr antwortete Mose:
Geh am Volk vorbei,
und nimm einige von den Ältesten Israels mit;
nimm auch den Stab in die Hand,
mit dem du auf den Nil geschlagen hast,
und geh!
Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen.
Dann schlag an den Felsen!
Es wird Wasser herauskommen,
und das Volk kann trinken.
Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.
Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit),
weil die Israeliten Streit begonnen
und den Herrn auf die Probe gestellt hatten,
indem sie sagten:
Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?



Die Erzählung spielt in der Wüste. Israel hat Ägypten verlassen. Aber der Weg in das "gelobte" Land ist ein Weg von "Probe und Streit". Konkreter Anlass: Durst. Wenn die Zunge am Gaumen klebt, verklärt sich Ägypten – immerhin das "Sklavenhaus" – zum Paradies. Aber nichts weniger steht auf dem Spiel als die von Jahwe gewährte und lange ersehnte Befreiung. Innerhalb dieses Rahmens stehen sich Mose als Mittler und Jahwe als Herr des Lebens gegenüber. Der Stab, der schon einmal die Wasser teilte – beim Zug durch das Rote Meer – , macht jetzt den Felsen zu einer Quelle. Gemeinsam ist den Bildern, dass Jahwe sich sorgt und anschreien (!) lässt. Schließlich steht im Hintergrund, dass Jahwe das Schreien seines Volkes in Ägypten gehört hat. Eine feine Nuance ist allerdings, dass nicht irgendein Felsen aufgeht, sondern der Horeb. Er ist der Berg Jahwes. Auf ihm empfängt Mose auch die Gebote (Ex. 20), auf ihm bittet er für das Volk, auf ihm darf er Jahwe "hinterher" sehen. Das Wasser, das den Durst stillt, offenbart Jahwes Nähe und steht für das ganze und ungeteilte Leben, das aus seinem Treueversprechen kommt. Der Weg durch die Wüste verbietet allerdings Spiritualisierungen. Wasser muss wirklich fließen, wenn Mensch und Vieh verdursten.


Die Lesung ist dem Buch Exodus entnommen und erzählt von einer existenzbedrohenden Krise des Volkes Israel auf seinem Weg von der Sklaverei in Ägypten in die Eigenständigkeit im verheißenen Land. Die Krise wird ausgelöst durch den Wassermangel. Sie stellt jedoch gleich das ganze Unternehmen und damit die Glaubwürdigkeit Jahwes in Frage. Das Wunder, das Mose vor den Augen der Ältesten im Auftrag Jahwes wirkt, hilft der Wassernot ab und gilt als Beweis der Glaubwürdigkeit Jahwes: Gott sorgt für das Volk, das er sich erwählt hat und läßt es nicht im Stich. Die Geschichte ist im Zusammenhang der Speisenwunder (Wachteln und Manna) zu sehen. Gott hilft aus der Hungers- und Wassernot, er stillt den Lebenshunger und Lebensdurst der Menschen. In der Erzählung geht es in erster Linie um diesen Aspekt des Glaubens: die Beziehung Gottes zu seinem Volk. Es ist müßig, das Wunder naturwissenschaftlich erklären zu versuchen.


Antwortpsalm am 3. Fastensonntag, Lesejahr A
Ps 95,1-2. 6-9

R Hört auf die Stimme des Herrn,
verhärtet nicht euer Herz! – R

Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn
und zujauchzen dem Fels unsres Heiles
Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen,
vor ihm jauchzen mit Liedern! - (R)

Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen,
lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
Denn er ist unser Gott,
wir sind das Volk seiner Weide,
die Herde, von seiner Hand geführt. - (R)

Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
„Verhärtet euer Herz nicht wie in Meriba,
wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich versucht,
sie haben mich auf die Probe gestellt
und hatten doch mein Tun gesehen.“ - R


2. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr A:
Röm 5,1-2.5-8

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Gerecht gemacht aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten,
in der wir stehen,
und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Die Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Christus ist schon zu der Zeit,
da wir noch schwach und gottlos waren,
für uns gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen,
daß Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.



Wurde in der alttestamentlichen Lesung aus Ex. 17 der Fels zum Wasserquell und der Horeb zum Lebensversprechen auf dem Weg in das gelobte Land, wird der Gemeinde in Rom der "Zugang zu der Gnade" beschrieben: wir sind gerecht gemacht aus Glauben und haben Frieden mit Gott (Anfang), der seine Liebe zu uns darin erwiesen hat, dass Christus für uns gestorben ist (Schluß). Paulus formuliert bekenntnishaft, was die Gemeinde in Rom – eine heidenchristliche Gemeinde – erfahren hat. In Röm. 6 wird Paulus dann die Taufe auslegen, die schon hier den "Zugang zu der Gnade" begründet. Dass Paulus ein Meister der Verkettungen ist, lässt sich nicht übersehen: Weil wir (inklusiver Sprachgebrauch) in der Gnade stehen, rühmen wir uns unserer Hoffnung, die uns nicht zugrunde gehen lässt. Mit einem pointierten "denn" benennt Paulus den Grund: die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen (man beachte das Wasser-Motiv) durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Der Abschnitt lässt sich mit der Frage aufschließen, was "wir" haben, sprich: zugesprochen, geschenkt, anvertraut bekamen: den "Zugang zu der Gnade", den Heiligen Geist. Ein besonderes Augenmerk ruht darauf, dass Christus dafür gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Paulus wägt öffentlich ab, dass es keine rationale Begründung gibt und kein Verdienst. Was Liebe ist, offenbart sich im Tod Christi.


Paulus fasst die Ausführungen über die Rechtfertigung aus dem Glauben zusammen und spricht in der Wir-Form über die Erfahrung der ersten Christen: Friede mit Gott und Versöhnung entstehen nicht aus eigener Kraft, sondern aus Gnade und Zugang zu Gott. Der heilige Geist ist für Paulus das "lebendige Wasser", welches das Innerste, das Herz "erfüllt". Dies ist ein Wort der Ermutigung angesichts der Drangsale, die Christen mitten im heidnischen Rom zu erleben hatten - aber sie dürfen sich zumindest der Liebe Gottes gewiss sein. Nicht die Liebe ist Gott, sondern Gott ist die Liebe. Er hat uns als Sünder geliebt. Weil er Gott ist, ist er die Liebe. So wie er sich der Samariterin annimmt, so wird er sich auch uns Menschen annehmen, aus der Sünde befreien und uns in sein Leben mit aufnehmen - eine Botschaft im Hinblick auf die uns zuteil werdende Gnade von Ostern.


Die zweite Lesung des 3. Fastensonntags ist dem Brief des Apostels Paulus an die Römer entnommen. In diesem Abschnitt versucht Paulus darzulegen, was durch Jesus Christus anders geworden ist für die, die an ihn glauben. Der Schlüssel dazu ist in Vers 5 enthalten: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Dadurch haben wir Anteil am Frieden. Friede meint hier einen umfassenden Zustand: Heil, erfülltes Leben, Ganzheit für jeden einzelnen und das ganze Volk Gottes. Paulus nennt diesen Zustand auch "in der Gnade stehen", in der Sphäre der Liebe Gottes leben. In den Versen 6 bis 8 legt Paulus dar, daß uns diese Liebe Gottes unverdient als Geschenk (Gnade) zuteil geworden ist, noch vor unserer Hinkehr zu Gott, "als wir noch Sünder waren". Weiters schließt er, daß wir erst recht in der Zukunft daran teilhaben werden, "wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden".


Erweiterte Fassung der
2. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr A:
Röm 5,1-11

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Schwestern und Brüder!
Gerecht gemacht aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten,
in der wir stehen,
und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis;
denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
Die Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Christus ist schon zu der Zeit,
da wir noch schwach und gottlos waren,
für uns gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen,
daß Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind,
werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden.
Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes,
als wir noch (Gottes) Feinde waren,
werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind,
gerettet werden durch sein Leben.
Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn,
durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.


Ruf vor dem Evangelium am 3. Fastensonntag, Lesejahr A
vgl. Joh 4,42. 15

Herr Jesus, dir sei Lob und Ehre! - R
Herr, du bist der Retter der Welt.
Gib mir lebendiges Wasser, damit mich nie mehr dürstet.
Herr Jesus, dir sei Lob und Ehre!


Evangelium vom 3. Fastensonntag, Lesejahr A:
Joh 4,5-42

Vorschlag zum Lesen mit verteilten Rollen: PDF-Format / RTF-Format

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien,
der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.

Die samaritische Frau sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüßtest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten,
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Sie sagte zu ihm:
Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?

Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zur sprudelnden Quelle werden,
deren Wasser ewiges Leben schenkt.

Da sagte die Frau zu ihm:
Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierher kommen muß, um Wasser zu schöpfen.
Er sagte zu ihr:
Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her!
Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann.
Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.
Denn fünf Männer hast du gehabt,
und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.
Damit hast du die Wahrheit gesagt.

Die Frau sagte zu ihm:
Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muß.

Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem
den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, daß der Messias kommt,
das ist: der Gesalbte (Christus).
Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.

Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.
Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen.
Sie wunderten sich, daß er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte:
Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr?
Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen,
eilte in den Ort und sagte zu den Leuten:
Kommt her, seht, da ist ein Mann,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe:
Ist er vielleicht der Messias?
Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus.

Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iß!
Er aber sagte zu ihnen:
Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt.
Da sagten die Jünger zueinander:
Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?

Jesus sprach zu ihnen:
Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat,
und sein Werk zu Ende zu führen.
Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte?
Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, daß die Felder weiß sind,
reif zur Ernte.
Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn
und sammelt Frucht für das ewige Leben,
so daß sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
Denn hier hat das Sprichwort recht:
Einer sät, und ein anderer erntet.
Ich habe euch gesandt, zu ernten,
wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet,
und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit.

Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus
auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte:
Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.

Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir,
sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.



Das Evangelium erzählt eine Begegnung am Brunnen. Sein Ort ist weder zufällig noch unwichtig: Sychar in Samarien. Für Juden ist Samarien unrein, obwohl der Brunnen mit dem Namen Jakob, einem der Väter Israels, eng verbunden ist. Jesus spricht als Jude und Mann - gegen die gute Sitte - eine Samariterin an und erbittet von ihr Wasser. Dass die Frau keinen Namen hat, macht sie "typisch" - ihre Lebensgeschichte allerdings, die Jesus kennt, gibt ihr die Würde, einmalig zu sein. Der Brunnen wird bei Johannes zu einem Ort der Offenbarung. Das Gespräch, das ohne Jünger geführt wird und Jesus mit der samaritanischen Frau allein zeigt, kreist um das Wasser: Jesus, der von der Frau das Wasser aus dem Brunnen erbittet, offenbart sich ihr als das "lebendige" Wasser, das ewiges Leben schenkt. Zu dieser Offenbarung - Jesus spricht am Ende sogar davon, der Messias zu sein - gehört, dass die Heiligen Orte, der Berg Garizim für die Samariter, der Berg Zion für die Juden, nicht mehr die Orte der Gegenwart Gottes sind, auch nicht mehr Menschen und Gebete trennen: "Die Stunde kommt - und sie ist schon da (!) -, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden." Dass die Stunde schon da ist, kann nur Jesus sagen. Er selbst ist da. Der, der um Wasser bat, ist die Wahrheit: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Johannes hat die Geschichte kunstvoll aufgebaut. Er legt der samaritanischen Frau in den Mund, was zu einem Bekenntnis wird. Oder: was ihr aufgeht: Erst ist Jesus ein Jude (V. 9), dann ein Prophet (V. 19b), am Ende formuliert sie die die Hoffnung, dass der Messias kommt (V. 25). Darauf hin offenbart sich ihr Jesus. Die fast schon intime Begegnung am Brunnen mit vielen zärtlichen Zwischentönen wird von Johannes geöffnet: Viele Samariter kommen zum Glauben und bitten Jesus, bei ihnen zu bleiben. Zwei Tage bleibt er bei ihnen (am dritten ist seine Auferstehung). Die Geschichte am Jakobsbrunnen endet mit der Begegnung der anderen Samariter mit der Frau. Sie legen vor ihr (!) das Bekenntnis ab: "Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt." Dieses Messiasbekenntnis ist gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Es kommt aus dem Mund der Samariter (nicht der Juden), ist aber von einer Frau mit Vergangenheit bezeugt und vor ihr sogar bekannt. Johannes nimmt in dieser Begegnungsgeschichte das Osterzeugnis der Maria von Magdala vorweg (Joh. 20,11-18).


Betrachtet man die österliche Bußzeit als Vorbereitungszeit auf den Empfang des Taufsakramentes, so steht ab dem dritten Fastensonntag der konkrete Weg zu diesem Sakrament immer mehr im Mittelpunkt. In Sonntagsgottesdiensten und zusätzlichen Bußgottesdiensten soll die gemeinsame Vorbereitung geschehen. Dabei geht es nicht mehr um Glaubenswissen oder Glaubensbelehrung, sondern um die tiefere Erkenntnis Christi, um die Erkenntnis des eigenen Herzens oder die Befreiung vom "Negativen". Also um die intensive Vorbereitung auf die Osternacht und die Feier der Auferstehung. Das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen zeigt, wie der Evangelist Johannes mit dem hintergründigen Sinn von Worten und Begriffen "spielt". Zunächst spricht Jesus von Wasser im wörtlichen Sinn. Mit seinem Angebot, "lebendiges Wasser" zu geben, kommt ein doppeldeutiger Begriff ins Spiel. Er kann, wörtlich verstanden, das fließende Wasser bezeichnen, im Unterschied zum Wasser aus der Zisterne. So fasst ihn die Frau zunächst auch auf. Zwar stellt sie erstmals die Frage nach der Würde Jesu ("Bist du etwa größer als unser Vater Jakob?"); doch ihr bleibt der tiefere Sinn des "lebendigen Wassers" selbst dann noch verborgen, als Jesus es auf das ewige Leben bezieht. Denn die Verheißung, das von Jesus gegebene Wasser werde nie mehr dürsten lassen, versteht sie als Erleichterung der täglichen Mühsal: Sie müsste nicht mehr zum Brunnen gehen, um Wasser zu schöpfen. Jesus meint dagegen, dass das menschliche Streben nach Sinn und Erfüllung gestillt wird; er spricht von der Gabe einer neuen Existenz, die auch den Tod überdauert - vielleicht mit besonderer Beziehung zum Geist. Dass die Frau dies letztlich versteht, zeigt eine fast unscheinbare Bemerkung: Sie läßt ihr Schöpfgefäß stehen, ehe ihr Zeugnis die Einwohner der Stadt zu Jesus führt.


Das Evangelium ist dem 4. Kapitel des Johannes entnommen. Jesus zieht auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem durch Samarien. Dieses Gebiet war einst Kernland des israelischen Nordreiches. Im 8. Jh. v. Chr. wurde es assyrische Provinz. Da sich in dieser Zeit die Bevölkerung mit der neuen Oberschicht mischte, wurde es von den Juden als kultisch unrein betrachtet. Es entwickelte sich ein eigenständiger samaritischer Kult, der sich trotz mehrfacher Versuche nie gänzlich auslöschen lies. In den Büchern des Neuen Testamentes treten an mehreren Stellen die religiösen Spannungen zwischen Juden und Samaritern zutage. Diese bilden auch den Hintergrund der Erzählung von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Die Frau gilt in einem mehrfachen Sinn als vom Heil abgeschnitten: Als Frau, durch ihren Lebenswandel, als Samariterin. Trotzdem nimmt Jesus Kontakt zu ihr auf; nicht nur aus einer persönlichen Notlage heraus. Es kommt zu einer Begegnung, in der die Frau (und später auch die Leute aus ihrem Dorf) zum Glauben an den Messias findet, während Jesus von den eigenen Volksangehörigen als solcher abgelehnt (im folgenden Kapitel 5) wird. In der Erzählung haben Wasser und die Speisen, welche die Jünger besorgten, eine besondere symbolische Bedeutung. Man kann die Geschichte nicht lesen, ohne an die Wasser- und Speisungswunder des Alten Testamentes zu denken.


Kurzfassung des
Evangeliums vom 3. Fastensonntag, Lesejahr A:
Joh 4,5-15. 19b-26. 39a. 40-42

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien,
der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die samaritische Frau sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüßtest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten,
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm:
Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zur sprudelnden Quelle werden,
deren Wasser ewiges Leben schenkt.
Da sagte die Frau zu ihm:
Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierher kommen muß, um Wasser zu schöpfen.
Ich sehe, daß du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muß.
Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem
den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, daß der Messias kommt, das ist: der Gesalbte (Christus).
Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.
Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir,
sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.