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Lesungen 16.04.2017


1. Lesung vom Ostersonntag:
Apg 10,34a. 37-43

Lesung aus der Apostelgeschichte: 

Da begann Petrus zu reden und sagte:
Ihr wißt, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
Und wir sind Zeugen für alles,
was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat.
Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.
Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt
und hat ihn erscheinen lassen,
zwar nicht dem ganzen Volk,
wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen:
uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten
gegessen und getrunken haben.
Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen:
Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.
Von ihm bezeugen alle Propheten, daß jeder, der an ihn glaubt,
durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.



Im Gesamt der Apostelgeschichte befindet sich der heutige Lesungstext im zweiten Teil. nach der Schilderung der Geschichte der Kirche in Jerusalem und der Erfahrung der Kirche mit Saulus/Paulus geht es um die Erfahrungen der heidenchristlichen Gemeinden. Der heutigen Lesung voraus ging die Suche des Kornelius nach einem Weg zu Jesus. Der führte über die Taufe durch Petrus und wurde zu einem Segensweg. In dieser Situation kann Perus sagen: "Du hast den gefunden, der für dich Heil ist." Die Heilsgeschichte wird erzählt. Begegnungen mit Jesus von Nazareth befreiten viele zum Leben. Begegnungen mit Jesus wie Kornelius sie nun nach Ostern und Himmelfahrt hatte, befreit auch ihn zum Leben. Wenn Petrus diese Geschichte Jesu vor aufnahmebereiten Menschen erzählen kann, zeigt sich wieder: Jesus selbst greift ein. Er schafft die Konstellationen, die nötig sind.


Petrus bringt es auf den Punkt, was der Inhalt der Verkündigung ist: Das, was Jesus getan hat, ist nicht zu Ende. Das, was mit Jesus in Jerusalem geschah, war nicht das Ende. Petrus selber hatte es erlebt. Er selber stand vor dem Aus, durchlebte alle Zweifel und wurde fast "irre" an diesem Mann aus Nazareth. Doch Gottes Verheißung erfüllte sich: Jesus lebt - er hat sich gezeigt. Er hat sich denen gezeigt, die zweifelten und glaubten, die sich versteckten und nicht mehr weiterkonnten. Und diese ersten Zeuginnen und Zeugen verkünden die Auferstehung Jesus Christi. Sie sagten es weiter, was die Begegnung mit dem Auferstandenen an Hoffnung und Zukunft schenkt. Der Glaube an den Auferstandenen bewirkt in seinem Namen die Vergebung der Sünden. "Durch seine Wunden sind wir geheilt" und damit auch befähigt, Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung zu sein, mit ihm zu essen und zu trinken.


In Cäsarea, der Hauptstadt der Provinz Judäa, verkündigte Petrus im Haus des Hauptmanns Cornelius erstmals das Evangelium von Jesus, dem auferstandenen Christus. Für Täuflinge bietet Lukas hier eine Kurzcharakteristik der Person und des Wirkens Jesu. Die Zeugenschaft der ersten Apostel für das Wirken Jesu wird besonders hervorgehoben. Die Hinrichtung Jesu wird ohne Schuldzuweisung oder Agression "fast emotionslos" geschildert - denn sein Tod gehört gemeinsam mit der Auferweckung zum Erlösungshandel Gottes. Die Menschen werden zum Glauben aufgerufen und durch die Taufe und das Taufbekenntnis von ihrer Vergangenheit, ihren Sünden, befreit.


Antwortpsalm am Ostersonntag
Ps 118,1-2. 16-17. 22-23

R Das ist der Tag, den der Herr gemacht,
lasst uns jubeln und seiner uns freuen. - R
Oder: Halleluja. - R

Danket dem Herrn, denn er ist gütig,     
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig. - (R)

Die Rechte des Herrn ist erhoben.
Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!  
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden. - (R)

Der Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder. - R


2. Lesung vom Ostersonntag, Lesejahre A/B/C:
Kol 3,1-4

Lesung aus dem Brief an die Kolosser:

Ihr seid mit Christus auferweckt;
darum strebt nach dem, was im Himmel ist,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
Richtet euren Sinn auf das Himmlische
und nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben,
und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird,
dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.



Die Einheitsübersetzung überschreibt Kol 3,1 - 4,6 als "Worte der Mahnung an die Getauften." Annahme des Jesusglaubens war schon geschehen. Es gibt eine neue Weltordnung, die sich auf Christus beruft. Eine Feier der Auferstehung Christi fragt nach der eigenen Beziehung zum Festgeheimnis. Kol 3,3 gibt die Antwort: "Euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott!".


Die Theologie des Kolosserbriefes konzentriert sich auf zwei bedeutende Themen: die Stellung Christi und seine Verkündigung in der Kirche. Die Taufe, in der für die Christen die Erlösung Realität wurde, spielt eine zentrale Rolle. Im Kapitel 3 hören wir eine mahnende Rede an die Gemeinde. Was das ermutigende darin ist: der Verfasser beginnt mit einer Zusage an die Gemeinde, dass die Gabe des Auferwecktseins mit Christus verliehen ist. Und diese Verbindung mit Christus ist die Basis für eine Gemeinde und jede und jeden Einzelnen, ein Leben zu führen, das seine Ausrichtung auf Christus zum Ziel hat. Dieses Ziel mündet dann in die Zukunftsperspektive, die in der Gemeinschaft mit Christus bei seinem künftigen Erscheinen besteht.


Die Verse der zweiten Lesung aus dem Brief an die Christen in Kolossä haben den Charakter einer Taufpredigt. Sie reflektieren, was die enge Verbindung mit Jesus Christus an den Seinen bewirkt: Die Teilhabe am neuen Leben des Auferstandenen. Von dieser neuen Lebenswirklichkeit her, fordert er einen entsprechenden Lebenswandel. Christen sind durch den Galuben und die Taufe aufs engste mit Christus verbunden. Dies gilt auch für die endgültige Zukunft der Christen, "wenn Christus offenbar wird".


2. Lesung vom Ostersonntag, Lesejahre A/B/C:
1 Kor 5,6b-8

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid.
Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot;
denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.
Laßt uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern,
nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit,
sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.



Es geht im 1. Korintherbrief immer wieder um Entschiedenheit. So auch im Bereich der Kapitel 5 und 6, die sich mit Missständen in der Gemeinde beschäftigen. Wer um die Basis des Glaubens weiß und entsprechend entschieden als Christ lebt, kann nicht solche Missstände entstehen lassen. Die Basis lautet hier: Jesus hat in seinem Lebensopfer eine Zukunft gestaltet, die nicht verdunkelt werden soll.


Paulus will in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth auf das Missverhältnis zwischen Selbstgefälligkeit und tatsächlichem Verhalten eingehen. Das negative Bild vom Sauerteig veranschaulicht die Ansteckungsgefahr durch das Böse. Die Verse sieben und acht zeigen eine Richtung auf, die zum Leben, zu Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit führen. Paulus erinnert an das Paschalamm, das sein Leben hingab für die Menschen. Somit ist das neue österliche Leben Gottes durchgebrochen. Diese Tat Gottes soll Konsequenzen in der Gemeinde aufzeigen - damals wie heute: Neuer Teig, ungesäuertes Brot ist notwendig, d. h. Bosheit und Unreinheit sollen überwunden werden und die einzelnen sowie die Gemeinde sollen ein Leben in österlicher Hoffnung führen, das von Lauterkeit und Aufrichtigkeit geprägt ist und Hoffnung ausstrahlt. Letztlich ist die Gemeinde durch die Tat Gottes, durch das von Gott geschenkte Heil schon gereinigt, d. h. die Gemeinde soll werden, soll leben, was sie im Grunde schon ist.


Zur Auswahl steht als zweite Lesung ein kurzer Abschnit aus dem ersten Korintherbrief. Darin greift Paulus auf einen alten jüdischen Osterbrauch zurück, um den Korinthern anläßlich eines Skandals (ein Fall von Blutschande in der Gemeinde) eine eindringliche Lehre zu erteilen. Vor dem Paschafest wurde der Sauerteig, den man beim Brotbacken jeweils beiseite gab und für das nächste Brotbacken aufhob, weggeworfen. Nach einigen Tagen, an denen man nur ungesäuertes Brot aß, setzte man neuen Sauerteig an. Dieses Brauch hält der Apostel seinen Adressaten vor und fordert sie auf, aus ihrem Leben den "alten Sauerteig" zu beseitigen und ein Leben zu führen, das der neuen Wirklichkeit entspricht.


Ruf vor dem Evangelium am Ostersonntag
vgl. 1 Kor 5, 7b-8a

Halleluja. Halleluja.
Unser Paschalamm ist geopfert: Christus.
So lasst uns das Festmahl feiern im Herrn.
Halleluja.


Evangelium vom Ostersonntag, Lesejahre A/B/C:
Joh 20,1-9

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens,
als es noch dunkel war,
zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war.
Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte,
und sagte zu ihnen:
Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen,
und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus
und kamen zum Grab;
sie liefen beide zusammen dorthin,
aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus,
kam er als erster ans Grab.
Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen,
ging aber nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war,
und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch,
das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger,
der zuerst an das Grab gekommen war, hinein;
er sah und glaubte.
Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift,
daß er von den Toten auferstehen mußte.



Schon in der Kurzfassung des Evangeliums begegnet man drei Zeugen der Auferstehung: Maria von Magdala, Johannes als Lieblingsjünger Jesu und Petrus. In der Langfassung wird die tröstende Erfahrung Maria von Magdalas noch ergänzt. Diese drei Personen repräsentieren auch verschiedene Seiten der Gemeinde der Christen: Petrus als Vertreter des Amtes und der Leitung, der den ersten Blick in das Grab tut. Johannes als Mitglied des Kreises um Jesus, der geachtet wird und der auch im öffentlichen Leben als Zeuge für die Osterbotschaft auftreten darf. Maria von Magdala als Vertreterin derer, die den ganz anderen und neuen Umgang Jesu mit den Menschen erlebt haben. Diese drei zeigen auch unterschiedliche Reaktionen: Petrus nimmt war und kann es nicht erklären. Johannes glaubt, auch wenn ihm der Schlüssel noch fehlt. Maria von Magdala benennt ihren Zweifel und stellt sich den Antworten und Erfahrungen, die das Erlebte aufbrechen können. Ihr gibt sich der Auferstandene als erste zu erkennen.


Die Ostergeschichte des Johannesevangeliums beginnt mit dem Gang der Maria von Magdala zum Grab. Sie ist im selben Evangelium bereits als eine jener vier Frauen genannt worden, die unter dem Kreuz standen. Sie ist damit eine Verbindungsgestalt zwischen dem Kreuzes- und dem Ostergeschehen. Im Gegensatz zu den Ostererzählungen der anderen Evangelisten, werden bei Johannes keine weiteren Frauen genannt. Allerdings spricht Maria von Magdala Petrus und den Lieblingsjünger im Plural an ("wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat"), was darauf schließen lässt, dass doch auch andere Frauen beim Grab waren und dass dies auch im Johannesevangelium im Blick ist. Entsprechend der Geschehenslogik dieser Ostererzählung kann Maria von Magdala als "Erstzeugin" bezeichnet werden. Petrus wäre dann der "Hauptzeuge". Dies kommt darin zum Ausdruck, dass er das Grab als erster betreten darf. Er hält gewissermaßen amtlich fest, was mit Augen zu sehen ist. Der Jünger, den Jesus liebte, kann schließlich als der eigentliche "Glaubenszeuge" angesehen werden: "er sah und glaubte". Zu beachten ist der Fortschritt in den Beobachtungen der drei. Maria von Magdala nimmt zunächst nur wahr, dass der Stein vom Grab weg ist. Der Lieblingsjünger sieht, nachdem er als erster am Grab angekommen ist, die Leinenbinden. Petrus sieht zuletzt auch noch das zusammengefaltete Schweißtuch. Die Beobachtungen der beiden Jünger stoßen den ursprünglichen Verdacht der Maria von Magdala um, es handle sich wohl um einen Grabraub. Die ganze Erzählung läuft auf das Sehen und Glauben des Lieblingsjüngers zu. Er ist dem Petrus sowohl körperlich (im Wettlauf zum Grab) wie auch geistig-geistlich (in der Glaubenserkenntnis) überlegen. Auch der Lieblingsjünger ist im übrigen eine Verbindungsgestalt zum Kreuzesgeschehen, da das Johannesevangelium wie Maria von Magdala auch ihn unter dem Kreuz zeigt. Der letzte Vers setzt die Schlusspointe: "Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste". Im Gegensatz dazu weiß der Hörer oder Leser dieser Ostererzählung aus der Schrift, unter anderem durch eben diese Erzählung, dass Jesus von den Toten auferstand. Darin liegt der spezifische Erkenntnisvorsprung der nachösterlichen Christen. Um so wunderbarer, dass die ersten, die zum Grab kamen, dennoch mehr als bloße Zeugen des leeren Grabes geblieben sind.


Anders als die anderen Evangelisten betont Johannes den Sonntag und die frühmorgendliche Dunkelheit. Dies kann als Metapher für die Abwesenheit Christi und die noch bestehende Unfähigkeit zu glauben gesehen werden. Wer von Christus aber ganz tief be- und angerührt ist, der kommt und sucht ihn auch in dieser Finsternis. Genau so macht es Maria von Magdala. Das Johannesevangelium läßt im Gegensatz zu den anderen Evagelien alle Elemente zur Beschreibung des Grabes (Engel, Versiegelung des Grabes etc.) weg und konzentriert sich auf das leere Grab - also gleichsam auf das Zentrum der Botschaft. Maria berichtet Petrus und Johannes vom leeren Grab und diese kommen, um es mit eigenen Augen zu sehen - und gelangen so zum Glauben.


Langfassung des
Evangeliums vom Ostersonntag:
Joh 20,1-18

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens,
als es noch dunkel war,
zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war.
Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte,
und sagte zu ihnen:
Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen,
und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
sie liefen beide zusammen dorthin,
aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus,
kam er als erster ans Grab.
Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen,
ging aber nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war,
und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch,
das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger,
der zuerst an das Grab gekommen war, hinein;
er sah und glaubte.
Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift,
daß er von den Toten auferstehen mußte.
Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.
Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen,
den einen dort, wo der Kopf,
den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du?
Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen,
und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Als sie das gesagt hatte,
wandte sie sich um und sah Jesus dastehen,
wußte aber nicht, daß es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du?
Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm:
Herr, wenn du ihn weggebracht hast,
sag mir, wohin du ihn gelegt hast.
Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria!
Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm:
Rabbuni!, das heißt: Meister.
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest;
denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.
Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen:
Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater,
zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen:
Ich habe den Herrn gesehen.
Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.


Evangelium zur Osternacht, Lesejahr B:
Mk 16,1-7

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

Als der Sabbat vorüber war,
kauften Maria aus Magdala,
Maria, die Mutter des Jakobus,
und Salome wohlriechende Öle,
um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.
Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab,
als eben die Sonne aufging.
Sie sagten zueinander:
Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?
Doch als sie hinblickten,
sahen sie, daß der Stein schon weggewälzt war;
er war sehr groß.
Sie gingen in das Grab hinein
und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen,
der mit einem weißen Gewand bekleidet war;
da erschraken sie sehr.
Er aber sagte zu ihnen:
Erschreckt nicht!
Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden;
er ist nicht hier.
Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.
Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus:
Er geht euch voraus nach Galiläa;
dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.



Beginnen wir mit dem Schluß der Evangeliumsperikope. Die Frauen werden, nachdem sie die Botschaft von der Auferstehung Jesu erfahren haben, vom Engel zu den Jüngern geschickt. Diese sollen, so heißt es, nach Galiläa gehen, denn dort werden sie den Auferstandenen sehen. Die Rollen der Frauen und der Jünger in bezug auf den Osterglauben sind also sorgfältig differenziert. Während die Frauen Botinnen der Auferstehungsnachricht sind, sollen die Jünger mit dem Auferstandenen selbst Kommunikation haben und damit zu seinen Zeugen werden. So endet die Perikope mit einem Blick auf das wahre Fundament des Osterglaubens. Er gründet in der Begegnung, die Menschen mit dem Auferstandenen gemacht haben (und auch heute noch immer machen). Das leere Grab, das die Frauen sehen, hat - was nicht wenig ist! - den Charakter eines bestärkenden Zeichens, nicht aber die Funktion eines zwingenden Beweises dafür, daß Jesus wirklich auferstanden ist. Es ist eben nicht ein unbedingtes Fundament des Osterglaubens. Dies wird auch in unserer Perikope deutlich. Es wird ja nicht gesagt: "Er ist nicht hier, deshalb ist er auferstanden", sondern genau umgekehrt: "Er ist auferstanden, er ist nicht hier." Aus den genannten Gründen hat sich in der Forschung heute weithin die Auffassung festgesetzt, daß der Osterglaube wohl in Galiläa begonnen hat und in den geistgewirkten Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen gründet. Die Grabesgeschichten der Evangelien werden dagegen eher als relativ späte erzählerisch-legendarische Entfaltungen des bereits vorhandenen Glaubens an die Auferstehung gedeutet. Dies schließt zwar nicht aus, daß sie einen historisch wahren Kern haben (auch für die Tatsache des leeren Grabes spricht einiges), aber ihre Bedeutung gewinnen sie doch erst in theologischer Interpretation. Dazu drei kurze Hinweise: Die Suche der Frauen galt dem toten Jesus, den sie mit der Salbung weiter dem Tod anheimgeben wollten. Doch Gott hat Jesus auferweckt und aus dem Grab befreit. Jesus ist eben kein Toter mehr, den man salben bräuchte. Die ganze Erzählung wird vom Wort eines Engels beherrscht. Engel sind Gottesboten. Das Grab, die Stätte des Todes, wo das Fehlen eines Menschen normalerweise am bedrückendsten erfahren wird, ist also zum Ort der Gottesoffenbarung geworden. Die dunkle Todessituation hat der Botschaft des lebendigen Gottes Platz gemacht. Bemerkenswert ist, daß ausdrücklich vom auferstandenen Gekreuzigten gesprochen wird: "Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden." Der Auferstandene ist kein Lichtwesen, das nichts mit unserer Welt zu tun hätte. Nein, er ist jener Jesus von Nazaret, der hier gelebt hat. Keine Beziehung, die er hier hatte, keine Liebe, die er zu den Menschen fühlte, nicht die Gerechtigkeit, für die er sich einsetzte, und schon gar nicht das Leiden, durch das er gehen mußte, ist durch die Auferstehung aufgehoben. Seine Beziehungen, die Liebe, die Gerechtigkeit und das Leiden - all das ist jetzt in den Machtbereich Gottes hineingenommen. Die Wunden sind verklärt.


V. 1: Der Sabbat endet bei Sonnenuntergang. Am Sabbat waren sowohl die Totenklage, das Einkaufen und die Bereitung eines Grabes verboten. Während in der Passion des Markus Männer die "Hauptakteure" sind, beginnen jetzt die Aufgaben der Frauen. Sie, die auch bis zuletzt bei Jesus unter dem Kreuz geblieben sind - und sich nicht wie die Männer zurückgezogen und von der Umwelt aus Angst abgeschottet haben - werden nun die ersten Zeugen der Frohbotschaft von Ostern. V. 2: Die dreifache Zeitangabe ist wohl bewußt gewählt worden: Der erste Tag, der Sonntag, wird bereits zur Zeit des Evangelisten als Auferstehungstag gefeiert. Die Zeit des Sonnenaufgangs (beachte die Symbolik "Sonnenaufgang - Auferstehung"), also etwa um 6 Uhr, ist die Zeit des Gebetes für Juden und Christen. V. 3-4: Es ist eigentlich unverständlich und fast töricht: die Frauen gehen alleine zum Grab, obwohl sie wissen, daß sie den großen Stein davor nicht wegbewegen können. Durch die passivische Formulierung in Vers 4 soll deutlich werden, daß Gott am Werk gewesen ist und den Stein bereits zur Seite wegbewegt hat - er öffnet sogar Gräber! V. 5: Das weiße Gewand des Engels ist das Zeichen einer himmlischen Gestalt (vgl. Mk 9,3), bzw. himmlischer Herkunft. "Rechts" gilt in der jüdischen Tradition als die Seite des Glücks. V. 6: Die Botschaft des "Boten" ist im Präsens formuliert. Dies soll verdeutlichen, daß sie auch für den Leser noch aktuell ist. Die Worte des Boten sind weiters ein Anklang an ein urchristliches Glaubensbekenntnis. V. 7: Die Frauen erhalten den Auftrag, die frohe Botschaft weiterzutragen und zu verkünden. Die Jünger sollen von dieser Botschaft verständigt werden und aus ihrer derzeitigen selbstgewählten Isolation befreit werden. Galiläa soll der Ort des Neuanfangs werden. Von dort wird das Evangelium von Jesu Auferstehung in die Welt getragen.