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Lesungen 30.04.2017


1. Lesung vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A:
Apg 2,14. 22-33

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Am Pfingsttag trat Petrus auf, zusammen mit den Elf;
er erhob seine Stimme und begann zu reden:
Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem!
Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!
Israeliten, hört diese Worte:
Jesus, den Nazoräer, den Gott vor euch beglaubigt hat
durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen,
die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst -
ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen
hingegeben wurde,
habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen
ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt;
denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
David nämlich sagt über ihn:
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Zunge,
und auch mein Leib wird in sicherer Hoffnung ruhen;
denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis,
noch läßt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
Du zeigst mir die Wege zum Leben,
du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht.
Brüder,
ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden:
Er starb und wurde begraben,
und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
Da er ein Prophet war und wusste,
dass Gott ihm den Eid geschworen hatte,
einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus:
Er gibt ihn nicht der Unterwelt preis,
und sein Leib schaut die Verwesung nicht.
Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
Nachdem er durch die rechte Hand Gottes erhöht worden war
und vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen hatte,
hat er ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.



Petrus, der einfache Fischer, tritt hier mit seiner so genannten Pfingstpredigt souverän als Sprecher des Apostelkreises auf. Er findet genau die richtigen Worte für die versammelten Juden: Er erinnert sie zunächst an ihre eigenen Erfahrungen mit Jesus, an dessen Taten, Zeichen und Wunder (Vers 22) und seinen Tod am Kreuz (Vers 23). Als Argument für die Auferstehung Jesu beruft er sich auf Psalmen, die den Zuhörern vertraut sind, und deutet sie neu (Verse 25-28: Ps 16,8-11; Verse 30-31: Ps 132,11). Schließlich verweist er auf die Apostel selbst als lebendige Zeugen der Auferstehung und Geistbegabung: „wie ihr seht und hört“. Mit seinem authentischen und charismatischen Auftreten steckt er viele seiner Zuhörer an. Das Beispiel des Petrus ermutigt Christen heute, in ihren eigenen Worten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Gott zu sprechen. Je echter und konkreter der Bezug zum Leben anderer mit seinen Höhen, Tiefen und Banalitäten ist, umso leichter können diese dadurch ihre Alltagserfahrungen neu deuten. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A 4/2011. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2011, S.93-104.


Die vorliegende Perikope berichtet einen Teil der "Pfingstpredigt des Petrus”, jene Rede, mit der Petrus nach dem chaosbewirkenden Pfingstereignis zusammen mit den Elfen die Neusammlung des Volkes Gottes beginnt: Er zeigt auf, dass sich in Jesus die Verheißungen des Propheten Joel und des Patriarchen David erfüllen. Fundament der Rede findet sich in Joel 3,1-5, verschiedenen Psalmen und 2 Sam. Zugleich legitimiert sich in diesem Wirken Petri - gemäß den Redaktoren - durch den vorösterlichen Jesus verheißene Vorrangstellung, die er im Concilium der anderen Apostel ausübt. Die Rede ist eine abgeschlossene Einheit, die aber in einem Sinnzusammenhang steht mit dem Pfingstereignis (2,1-13) (vgl. Vers 13 und Vers 15).


Die Lesung aus der Apostelgeschichte enthält einen Teil der Pfingstpredigt des Petrus. Vom Typ her ist es eine Begründungsrede. Sie soll aufzeigen, dass Jesus auferstanden ist und daher alle Erwartungen an den Messias erfüllt sind. Gerade diese Erwartungen werden untermauert mit den Zitaten aus den Psalmen. Mit ihnen soll Jesus auch in jüdischer Denkweise legitimiert werden. Daher die Anrede an "Ihr Juden und alle Bewohner Jerusalems". Wer sich nicht schon von Jesus überzeugen und in die Nachfolge rufen ließ, soll sich mit dem gesunden Verstand auf das einlassen, was evident ist.


Antwortpsalm am 3. Sonntag der Osterzeit (A)
Ps
16,1-2. 5. 7-10

R Du zeigst mir, Herr, den Pfad zum Leben. - R
Oder:
R Halleluja. - R

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.“
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen. - (R)

Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. - (R)

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis:
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. - R


2. Lesung vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A:
1 Petr 1,17-21

Lesung aus dem ersten Petrusbrief:

Wenn ihr den als Vater anruft,
der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt,
dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid,
ein Leben in Gottesfurcht.
Ihr wißt,
daß ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise
nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet,
nicht um Silber oder Gold,
sondern mit dem kostbaren Blut Christi,
des Lammes ohne Fehl und Makel.
Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen,
und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen.
Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen,
der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat,
so daß ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt.



Der erste Petrusbrief richtet sich an ehemalige Heiden. Die „sinnlose, von den Vätern ererbte Lebensweise“ (Vers 18a) meint deren Abhängigkeit von Götzen, bevor sie Christen wurden. Nun werden sie daran erinnert, dass sie daraus ein für allemal befreit sind (Vers 18b wörtlich „ausgelöst“, wie in der Antike Sklaven freigekauft wurden). Diese neue Lebensweise wird beschrieben als „an Gott glauben und auf ihn hoffen“ (Vers 21b) – und zwar an Gott, der sogar „von den Toten erweckt“ (Vers 21a). In „sinnlosen … Lebensweisen“ leben auch heute noch Menschen, die in lebenshinderlichen Verhaltensmustern gefangen sind, beispielsweise Perfektionismus, überzogenes Harmoniebedürfnis, Abhängigkeit des Selbstwerts von Erfolg und Leistung usw. „Von den Vätern (und Müttern) ererbt“ sind solche inneren Haltungen insofern, als dass sie teilweise anerzogen, von Vorbildern gelernt aber auch durch bestimmte Lebenserfahrungen erworben wurden. Die Lesung erinnert auch die Menschen heute daran: Gott befreit aus diesen Abhängigkeiten, indem er jeden Menschen als sein Kind liebt – vor aller Leistung und trotz aller Schuld. Dass dieser Gott – wie die Lesung es in Wendungen der urchristlichen Bekenntnisüberlieferung ausdrückt – sogar von den Toten erweckt, ist Grund zur Hoffnung, dass sich auch im einzelnen Menschenleben die lebensförderlichen Kräfte durchsetzen werden. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A 4/2011. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2011, S.93-104.


Der Abschnitt ist Teil einer Mahnrede des Petrus über den Stifter des Glaubens (1,13-25). Vers 17 verdeutlicht, dass Petrus mit diesem Brief die Christen in der Diaspora anschreibt. Die Verse 18-21 sind urchristlicher Bekenntnisüberlieferungen entnommen und sind als eine Art "Kurzformeln des Glaubens” (Rahner), wie sie vor allem auch durch Paulus bezeugt sind, anzusehen. Als Vorlagen des Textes dienen die Synoptiker (Matthäus, Lukas) und Johannes sowie Jesaja.


Die zweite Lesung ist eine Aufforderung zum konsequenten Handeln und Denken. Es ist ein komplettes Programm, das den Menschen nahegebracht wird. 1. Jesus hat am Kreuz alles getan, was für Erlösung wichtig ist 2. Gott hat ihn aus dem Grab zum Leben erweckt und seine Botschaft bestätigt 3. Ihr habt euch für den Glauben an Jesus Christus entschieden. 4. Damit könnt ihr die Aussagen Jesu über den Vater übernehmen und leben. 5. Dann zeigt dies in eurem Alltag. Diese Aufforderung hat ihren Grund im Wissen um Erlösung. Es gab ein Leben vor der Erlösung und ein Leben seit der Erlösung. Das fordert zum Handeln heraus.


Ruf vor dem Evangelium am 3. Sonntag der Osterzeit (A)
vgl. Lk 24,32

Halleluja. Halleluja.
Herr Jesus, erschließ uns die Schrift!
Lass unser Herz entbrennen, wenn du zu uns redest.
Halleluja.


Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A:
Lk 24,13-35

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Am ersten Tag der Woche
waren zwei von den Jüngern Jesu
auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus,
das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
Sie sprachen miteinander über all das,
was sich ereignet hatte.
Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen,
so daß sie ihn nicht erkannten.
Er fragte sie:
Was sind das für Dinge,
über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?
Da blieben sie traurig stehen,
und der eine von ihnen - er hieß Kleopas -
antwortete ihm:
Bist du so fremd in Jerusalem,
daß du als einziger nicht weißt,
was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Er fragte sie:
Was denn?
Sie antworteten ihm:
Das mit Jesus aus Nazaret.
Er war ein Prophet,
mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
Doch unsere Hohenpriester und Führer
haben ihn zum Tod verurteilen
und ans Kreuz schlagen lassen.
Wir aber hatten gehofft, daß er der sei,
der Israel erlösen werde.
Und dazu ist heute schon der dritte Tag,
seitdem das alles geschehen ist.
Aber nicht nur das:
Auch einige Frauen aus unserem Kreis
haben uns in große Aufregung versetzt.
Sie waren in der Frühe beim Grab,
fanden aber seinen Leichnam nicht.
Als sie zurückkamen, erzählten sie,
es seien ihnen Engel erschienen
und hätten gesagt, er lebe.
Einige von uns gingen dann zum Grab
und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten;
ihn selbst aber sahen sie nicht.
Da sagte er zu ihnen:
Begreift ihr denn nicht?
Wie schwer fällt es euch,
alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
Mußte nicht der Messias all das erleiden,
um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
Und er legte ihnen dar,
ausgehend von Mose und allen Propheten,
was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
So erreichten sie das Dorf,
zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat, als wolle er weitergehen,
aber sie drängten ihn und sagten:
Bleib doch bei uns;
denn es wird bald Abend,
der Tag hat sich schon geneigt.
Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
Und als er mit ihnen bei Tisch war,
nahm er das Brot, sprach den Lobpreis,
brach das Brot und gab es ihnen.
Da gingen ihnen die Augen auf,
und sie erkannten ihn;
dann sahen sie ihn nicht mehr.
Und sie sagten zueinander:
Brannte uns nicht das Herz in der Brust,
als er unterwegs mit uns redete
und uns den Sinn der Schrift erschloß?
Noch in derselben Stunde brachen sie auf
und kehrten nach Jerusalem zurück,
und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.
Diese sagten:
Der Herr ist wirklich auferstanden
und ist dem Simon erschienen.
Da erzählten auch sie,
was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten,
als er das Brot brach.



Das Evangelium von den Emmausjüngern ist ein "Nachtrag", eine "Fortsetzung" des Osterevangeliums, wie es von Lukas überliefert wird. Sondergut also. Die Geschichte entfaltet die Osterbotschaft auf sehr eindrückliche Weise: zwei Jünger sind auf dem Weg nach Hause. Sie müssen mit einer Episode ihres Lebens abschließen. Ihr Herr ist tot. Jesus. Dass er mit ihnen auf dem Weg ist, erkennen sie nicht. Schlüsselwort: Ihre Augen waren gehalten - hier formuliert: sie waren wie mit Blindheit geschlagen. Der Fremde lässt sich von ihnen erzählen, hört ihnen zu und legt ihnen dann die Schrift aus. Christus "musste" leiden, um so in seine Herrlichkeit einzugehen. Um diese Mitte ist der ganze Text gruppiert. Aber erst beim Brotbrechen, bei sich zu Hause, gehen den beiden Jüngern die Augen auf: wer der Fremde ist, was der Fremde gesagt hat, wer sie sind. Das Brotbrechen nimmt die österliche Erfahrung auf und gibt sie bis heute weiter, das Brotbrechen ist das Erkennungszeichen Christi und wird von ihm Menschen anvertraut. "Noch in derselben Stunde" brechen die Jünger auf, um ihre Erfahrung nach Jerusalem zurückzubringen, rennen dort aber offene Türen ein. Die Osterbotschaft wird teilbar. Alle Lesungen dieses Ostermontag unterstreichen die Bedeutung der Schrift, die ausgelegt wird. Ostern erzählt also eine alte Geschichte neu und bezeugt, was Gott von Anfang an ist: Schöpfer. Sein erstes Werk: Licht und Finsternis zu trennen. In der Geschichte von den beiden Emmausjüngern wird in einer - im übrigen seelsorgerlichen Situation - Licht und Finsternis getrennt.


Diese Erzählung von den Emmausjüngern findet sich nur bei Lukas. Der Evangelist reflektiert die Osterereignisse in Form einer Erzählung. Dabei werden geschickt alle Elemente des Auferstehungsglaubens der ersten Christen in einen erzählerischen Zusammenhang gebracht: - Die Überlieferung vom Tod Jesu; - Die Kunde vom leeren Grab; - Die Botschaft, daß er lebe. Noch fehlt den beiden Jüngern der Glaube. Wie die Urkirche deutet ihr noch nicht erkannter Begleiter die Ereignisse vor dem Hintergrund des Alten Testamentes, "ausgehend von Mose und den Propheten", als "göttliches Muß". Erst beim Mahl - die Sprache gleitet dabei über in die Sprechweise der urchristlichen Eucharistiefeier - erkennen die Jünger den Auferstandenen. Dieser läßt sich jedoch nicht festhalten, er entschwindet ihnen. Das Erkennen des Auferstandenen führt unmittelbar in die Verkündigung. Sie brechen unverzüglich auf, um das Erfahrene weiterzutragen.


Ruf vor dem Evangelium am 3. Sonntag der Osterzeit (A)

Halleluja. Halleluja.
Christus ist auferstanden.
Er, der Schöpfer des Alls, hat sich aller Menschen erbarmt.
Halleluja.


Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit:
Joh 21,1-14

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal.
Es war am See von Tiberias,
und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling),
Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus
und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
Simon Petrus sagte zu ihnen:
Ich gehe fischen.
Sie sagten zu ihm:
Wir kommen auch mit.
Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.
Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.
Doch die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen:
Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?
Sie antworteten ihm:
Nein.
Er aber sagte zu ihnen:
Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus,
und ihr werdet etwas fangen.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen,
so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus:
Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, daß es der Herr sei,
gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war,
und sprang in den See.
Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot -
sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt,
nur etwa zweihundert Ellen -
und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen,
sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer
und darauf Fisch und Brot.
Jesus sagte zu ihnen:
Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land.
Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt,
und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen:
Kommt her und eßt!
Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen:
Wer bist du?
Denn sie wußten, daß es der Herr war.
Jesus trat heran,
nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
Dies war schon das dritte Mal,
daß Jesus sich den Jüngern offenbarte,
seit er von den Toten auferstanden war.



Bei diesem Evangelium handelt es sich um ein Nachtragskapitel, das im Rahmen der Endredaktion durch die johanneische Schule angefügt wurde. Die Schilderung enthält mehrere Widersprüche (Auftrag zum Fischfang in Vers 6 und bereitstehendes Mahl in Vers 9) und Doppelungen (Ziehen des Netzes in Verse 8. 11, Erkennen Jesu in Verse 7. 12). Das lässt darauf schließen, dass hier zwei Überlieferungen miteinander verwoben wurden. Verbunden mit dem Vorausgehenden wird die Geschichte durch die Verse 1 und 14. Diese sogenannte dritte Erscheinung des Auferstandenen unterscheidet sich von den beiden zuvor beschriebenen: Bei der ersten Begegnung (Joh 20,11-18) kam er zu Menschen, die angesichts des Todes Jesu fassungslos und verängstigt waren, und bei der zweiten Erscheinung (Joh 20,24-29) zu einem zutiefst Zweifelnden. Beides waren menschliche Ausnahmesituationen, in denen die Jünger durch eine außergewöhnliche Erfahrung wieder Lebensmut, Gottvertrauen und Perspektive gewannen und darin Jesus erkannten. Genauso kann es gläubigen Menschen auch heute bei Ausnahmesituationen wie Sternstunden ihres Lebens und überwundenen Krisen relativ leicht fallen, im Nachhinein darin Gottes Nähe zu erkennen. Im dritten Bericht ist die Situation dagegen eine andere: Die Jünger sind zurück in ihrem Alltagsgeschäft und mit dessen Fragen und Problemen so sehr beschäftigt, dass sie Jesus zunächst nicht erkennen (Vers 4). Ähnlich geht es Christen auch heute oft in ihrem Alltag: Sie rechnen hier nicht mit Gottesbegegnung. Manche leben den Glauben auch eher zusätzlich zu Beruf, Familie und Ehrenamt. Gottesdienstbesuch und verlässliche kirchliche Gemeinschaft sind dann zwar als eigenständiger Bereich wichtig, aber Gottesbeziehung und Alltagsleben werden kaum durch persönliche Auseinandersetzung aufeinander bezogen. Hierauf wirft das Evangelium nun ein neues Licht: Jesus, der Mensch gewordene und menschlich erfahrbare Gott, lässt sich mitten im Alltag finden. So betrachtet vermag eine auf den ersten Blick unspektakuläre Erfahrung auch in Eintönigkeit und vergeblichem Mühen neuen Lebensmut und Sinn zu schenken. Das zu erkennen dauert – wie bei den Jüngern – etwas länger als bei besonderen Erlebnissen. Hilfreich kann es sein, jeden Abend mit einem entsprechenden Tagesrückblick den Blick zu schärfen für solch Gottesbegegnungen im Alltag. So können Leben und Glauben immer mehr ein einziger Vollzug werden. Befreiend und herausfordernd zugleich ist die Passivität der erforderlichen Haltung: Man muss nichts Besonderes „machen“ (wie z. B. beten, zum Gottesdienst gehen) oder angestrengt nach Gott suchen, sondern gerade im Loslassen von festen Vorstellungen kann man ihn wie von selbst mitten im Alltag finden und sich von ihm finden lassen. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A 4/2011. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2011, S.93-104.


Die vorliegende Perikope findet sich im letzten Kapitel des Johannesevangeliums, das einen Anhang darstellt, dessen Form und Art sehr viele Fragen aufwirft, die hier nicht alle dargelegt werden können. So finden sich in diesem Kapitel drei in einander verwobene Geschichten, die in einem äußeren Zusammenhang gehalten werden: eine Geschichte vom Fischfang, ein Erscheinungsbericht und eine Mahlerzählung. Sie verbindet die Einheitlichkeit der handelnden Personen und des gleichen Ortes. Ganz losgelöst kann man dieses Kapitel indes nicht lesen, es ist Teil eines größeren Zusammenhangs, in den nach Vers 14 noch zwei weitere Erscheinungen gehören. Von den sieben Personen, die Jesus begegnen, sind die ersten fünf solche, die in einer besonderen Beziehung zu Jesus standen: Petrus als der Wortführer der Apostel, Thomas als der, der sehen und begreifen durfte, Natanael, der Jesus schon einmal begegnet war (Joh 1,47) und die Söhne des Zebedäus. Wer die zwei anderen sind und woher sie kommen, bleibt unklar. Diese sieben bezeichnen die Fülle der Nachfolger Jesu, denen er begegnen will. Die Erzählung vom Fischfang geht auf ein ähnliches Vorbild bei Lukas (5,1-11) zurück, das der Autor der vorliegenden Geschichte gekannt haben muss. Die Erscheinung Jesu entspricht in ihrer Form der Begegnung mit den Emmausjüngern oder vom Zeitpunkt her der Begegnung mit Maria Magdalena. Die Mahlszene entspricht atmosphärisch - und das ist die einzige Gemeinsamkeit - der lukanischen Szene, als die Jünger in Emmaus dem Auferstandenen in aller Unauffälligkeit und Schmucklosigkeit begegnen (Lk 24,13-35). Diese Geschichten sind nun zu einem Missionsbericht zusammenkomponiert: Petrus holt das Netz der Kirche ein, in dem alle Völker (153 Fische als Symbole aller bekannten Fischarten = alle bekannten Völker) vorhanden sind. Sie werden dem Auferstandenen zu Füssen gelegt.


Der Evangelientext stammt aus dem zweiten Schluss des Johannesevangeliums. Am Ende des Evangeliums vom 2. Ostersonntag stand die Zusammenfassung des Evangeliums: Hilfen geben zur Erfahrung, dass Jesus der Messias ist und ein Leben in seinem Geist anbietet. Nun macht der angehängte Schlussteil deutlich: Dieses Leben im Geist Jesu fiel selbst denen schwer, die ihn erlebt hatten. Aber am Ende tun sie es.