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Lesungen 21.05.2017


1. Lesung vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A:
Apg 8,5-8. 14-17

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Philippus kam in die Hauptstadt Samariens hinab
und verkündigte dort Christus.
Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus;
sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat.
Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei
die unreinen Geister aus;
auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt.
So herrschte große Freude in jener Stadt.
Als die Apostel in Jerusalem hörten,
dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte,
schickten sie Petrus und Johannes dorthin.
Diese zogen hinab und beteten für sie,
sie möchten den Heiligen Geist empfangen.
Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen;
sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft.
Dann legten sie ihnen die Hände auf,
und sie empfingen den Heiligen Geist.



In Apg 8,5-8. 14-17 hören wir von der Verbreitung der christlichen Lehre in Samarien. Juden und Samaritaner hatten einander gegenüber Vorbehalte wegen ihrer unterschiedlichen religiösen Traditionen. Der christliche Glaube scheint diese Vorbehalte überwinden zu können. Interessant an diesem Text ist auch, dass Taufe und Geistmitteilung als zwei unterschiedliche Geschehnisse bezeichnet werden. Im NT gibt es im Verständnis der Taufe viele Varianten. Taufe und Geistmitteilung fallen teilweise zusammen, teilweise auseinander. Im lukanischen Geschichtswerk fällt auf, dass Taufe in erster Linie sündenvergebende Kraft besitzt und eine Vorbereitung auf den Geistempfang darstellt (Apg 2,38; 19,5) Ausnahmsweise kommt der Heilige Geist aber auch ganz spontan auf die Zuhörer einer Predigt hinab (Apg 10,44-48). Wenn nun Taufe und Geistmitteilung getrennt werden, so heißt das nicht, dass die Taufe kein geistliches Geschehen ist, sondern es sollen verschiedene Schritte auf dem Weg der Initiation deutlich gemacht werden. Dieses Verständnis der Textstelle führte auch dazu, dass sie schon in früher Zeit als eine Begründung für die Firmung angesehen wurde. Wie Lukas war auch der frühen Kirche die ekklesiologische Komponente der Geistmitteilung wichtig: Die Verleihung des Geistes sollte dem Aufbau der ganzen Gemeinde dienen.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A:
Apg 8,5-17

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Philippus kam in die Hauptstadt Samariens hinab
und verkündigte dort Christus.
Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus;
sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat.
Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei
die unreinen Geister aus;
auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt.
So herrschte große Freude in jener Stadt.
Ein Mann namens Simon wohnte schon länger in der Stadt;
er trieb Zauberei und verwirrte das Volk von Samarien,
da er sich als etwas Großes ausgab.
Alle hörten auf ihn, jung und alt, und sie sagten:
Das ist die Kraft Gottes, die man die Große nennt.
Und sie schlossen sich ihm an,
weil er sie lange Zeit mit seinen Zauberkünsten betörte.
Als sie jedoch dem Philippus Glauben schenkten,
der das Evangelium vom Reich Gottes
und vom Namen Jesu Christi verkündete,
ließen sie sich taufen, Männer und Frauen.
Auch Simon wurde gläubig, ließ sich taufen
und schloß sich dem Philippus an;
und als er die großen Zeichen und Wunder sah,
geriet er außer sich vor Staunen.
Als die Apostel in Jerusalem hörten,
dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte,
schickten sie Petrus und Johannes dorthin.
Diese zogen hinab und beteten für sie,
sie möchten den Heiligen Geist empfangen.
Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen;
sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft.
Dann legten sie ihnen die Hände auf,
und sie empfingen den Heiligen Geist.


Antwortpsalm am 6. Sonntag der Osterzeit (A)
Ps 66,1-7.1 6. 20


R Jauchzt vor Gott, alle Länder der Erde! Halleluja. - R
Oder:
R Halleluja. – R


Jauchzt vor Gott, alle Länder der Erde!
Spielt zum Ruhm seines Namens!
Verherrlicht ihn mit Lobpreis!
Sagt zu Gott: „Wie Ehrfurcht gebietend sind deine Taten;
vor deiner gewaltigen Macht müssen die Feinde sich beugen.“ - (R)

Alle Welt bete dich an und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen!
Kommt und seht die Taten Gottes!
Staunenswert ist sein Tun an den Menschen: - (R)

Er verwandelte das Meer in trockenes Land,
sie schritten zu Fuß durch den Strom;
dort waren wir über ihn voll Freude.
In seiner Kraft ist er Herrscher auf ewig;
seine Augen prüfen die Völker.
Die Trotzigen können sich gegen ihn nicht erheben. - (R)

Ihr alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört;
ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Gebet nicht verworfen
und mir seine Huld nicht entzogen. - R


2. Lesung vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A:
1 Petr 3,15-18


Lesung aus dem Ersten Petrusbrief:

Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen,
der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt;
aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig,
denn ihr habt ein reines Gewissen.
Dann werden die, die euch beschimpfen,
weil ihr in (der Gemeinschaft mit) Christus
ein rechtschaffenes Leben führt,
sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen.
Es ist besser, für gute Taten zu leiden,
wenn es Gottes Wille ist, als für böse.
Denn auch Christus ist der Sünden wegen
ein einziges Mal gestorben,
er, der Gerechte, für die Ungerechten,
um euch zu Gott hinzuführen;
dem Fleisch nach wurde er getötet,
dem Geist nach lebendig gemacht.



Der erste Petrusbrief gehört zu den sogenannten Katholischen Briefen, d.h. dieser Brief ist als Rundschreiben an einen weiteren Leserkreis geschrieben. Damit sind letztlich alle gemeint, die diesen Brief einmal lesen werden. Zu den Adressaten gehören besonders die in der Diaspora lebenden Christen. Sie leben in den römischen Provinzen und haben sich in der heidnischen Umgebung gegen allerlei Anwürfe, Verdächtigungen und Diskriminierungen zu behaupten. Als Entstehungszeit wird das Jahr 90 angenommen. Der Autor ist unbekannt. Er hat sich mit dem Namen Petrus in die Tradition des großen Apostels gestellt, vertritt aber im wesentlichen paulinische Theologie. Vielleicht geschah das in der Absicht, die paulinische Theologie mit der kirchlich bedeutenden Stellung des Petrus zu verknüpfen, um eine Einheit herzustellen.


Ruf vor dem Evangelium am 6. Sonntag der Osterzeit (B):
(vgl. Joh 14,23)


Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mich liebt, hält fest an meinem Wort.
Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden bei ihm wohnen.
Halleluja.


Evangelium vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr A:
Joh 14,15-21

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes:

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
Und ich werde den Vater bitten,
und er wird euch einen anderen Beistand geben,
der für immer bei euch bleiben soll.
Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann,
weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.
Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.
Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen,
sondern ich komme wieder zu euch.
Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr;
ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.
An jenem Tag werdet ihr erkennen:
Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.
Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt;
wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden
und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.



Joh 14,15-21 ist den Abschiedsreden Jesu entnommen. Es handelt sich um die johanneische Darstellung des Vermächtnisses Jesu. Interessant sind dabei folgende Aspekte: Der Heilige Geist hat nicht nur die Funktion zu trösten (Paraklet), sondern er wird auch als der Geist der Wahrheit bezeichnet. Dabei beinhaltet der Begriff "Wahrheit" auch die Bedeutung, Inhalt der Offenbarung zu sein. Damit wird auch eine Verbindung zum Sohn hergestellt, der sich in Joh 14:6 als die Wahrheit bezeichnet. In der starken Differenzierung zwischen denen, die den Geist besitzen und denen, die sie nicht verstehen, sehen wir eine Auswirkung des johanneischen Dualismus. Vater, Sohn und Heiliger Geist werden im Johannesevangelium in unterschiedlichen Beziehungen zueinander geschildert. Identität und gleichzeitige Differenz prägen auch das Verhältnis zwischen Sohn und Geist in unserer Perikope: Der Vater sendet den Geist auf Bitten des Sohnes (Differenz). Der Sohn wird die Seinen nicht als Waisen zurücklassen, sondern er wird wiederkommen und die Seinen werden ihn im Heiligen Geist sehen (Identität). Die Verbindung der Liebe mit dem Halten der Gebote ist ein Gedanke, der in der Bundestheologie des AT schon vorgeprägt ist. Mit der Verleihung des Geistes ist auch Bundeshoffnung verbunden (Ez 36:26-28), eine Vorstellung, die im jungen Christentum aufgegriffen wird (1 Thess 4:8). Die ersten christlichen Gemeinden kennen auch die enge Verbindung zwischen Gottes Liebe und dem Geist (Röm 5,5; 15,30).