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Kontexte 27.11.2016


Das letzte Wort

Aus: Walter Kardinal Kasper, Bedenke dein Geheimnis. Meditationen zu Advent und Weihnachten. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2015.


Ich will die entscheidende Antwort gleich vorweg geben und eine These aufstellen, die auf den ersten Blick paradox erscheint: Auch die Botschaft vom Gericht ist eine Botschaft von der Gnade.
Wer das Gericht nicht ernst nimmt und meint, es einfach wegstreichen zu können, der nimmt auch die Gnade nicht ernst. Der macht aus der Gnade eine billige Gnade und aus dem Christentum eine billige Angelegenheit.

Wer nur den »lieben Gott« kennt, der so lieb ist, dass er zu allem Ja und Amen sagt, der hat im Grunde gar nicht verstanden, wer Gott ist, der hat im Grunde gar keinen Gott, sondern ein selbst gebasteltes Wunschbild seiner eigenen Glückseligkeitsträume. Denn zu Gott, der gut ist, gehört, dass er dem Bösen widersteht, dass er das Unrecht, die Gewalt, die Lüge hasst und auslöschen will.

Gott will all das schreckliche Unrecht, die himmelschreiende Ungerechtigkeit, das Morden, das Zerstören, das Schänden nicht. Dagegen entbrennt, wie die Bibel sagt, sein Zorn und sein Grimm. Gott steht dafür, dass am Ende der Mörder nicht über seine Opfer siegt, dass man mit Lügen und Verschlagenheit nicht durchkommt, dass Unrecht nichts bringt, dass nicht das Recht des Stärkeren gilt, dass das Böse keine Zukunft hat. Er sorgt dafür, dass am Ende alle wirklich gleich sind, dass alle Masken fallen und die Wahrheit ans Licht kommt. Er steht dafür, dass am Ende nicht die Lüge, sondern die Wahrheit, nicht die Gewalt, sondern das Recht, nicht der Hass, sondern die Liebe siegen wird.

Kann man sich eine sinnvolle Welt denken, ohne diesen Sieg des Guten und des Wahren? Müsste man nicht an allem Sinn verzweifeln, wenn es dieses Gericht am Ende nicht gäbe? Und ist dieses Gericht nicht gerade eine Hoffnung für die Armen und die Kleinen, für diejenigen, welche in der Welt keine Stimme haben und sich nicht wehren können?

Wenn das nicht so wäre, dann wäre wirklich die Weltgeschichte das Weltgericht, dann wäre die Geschichte nur eine Siegergeschichte, in welcher die Opfer, die Unterdrückten, die Ermordeten und Geschändeten endgültig leer ausgingen und die Guten als die Dummen dastünden.

Muss man also nicht doch sagen: Es ist eine wahre Gnade, dass Gott am Ende das letzte Wort hat und sich als Richter erweist? Ja auch die Gerichtsbotschaft ist eine Gnadenbotschaft, die Gerichtsbotschaft ist eine Botschaft der Hoffnung.



Wiederentdeckung der Langsamkeit

Aus: Arnold Mettnitzer, Was ich glaube. Überlegungen & Überzeugungen. Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2015.


Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich die Fortbewegung vom gemächlichen Tempo einer Pferdekutsche bis zur Geschwindigkeit von Überschallflugzeugen gesteigert. Die Frist einer durchschnittlichen Briefzustellung hat sich von mehreren Wochen auf Tage und zuletzt Sekunden verringert. Ob eine elektronische Nachricht ins Nachbarhaus oder in einen entfernten Kontinent geht, macht nur mehr einen zeitlichen Unterschied von Sekundenbruchteilen aus.

Zugleich mit den vielen mechanischen und elektronischen Errungenschaften, welche die Arbeit erleichtern und verringern, ist das Leben der meisten Zeitgenossen nicht ruhiger und bequemer, sondern hektischer geworden: Der maschinell arbeitsentlastete Mensch lehnt sich nämlich nicht zurück, um die dazugewonnene Ruhe zu genießen, sondern er beugt sich vor, um mit der steigenden Geschwindigkeit der Maschinen und Apparate Schritt halten zu können.

Das Unvermögen des beschleunigten Menschen liegt in seiner wachsenden Unfähigkeit zur Langsamkeit, zur Bedächtigkeit und gründlichen Prüfung, letztlich in einer Unfähigkeit zur Hingabe. Es mag eine schnelle Leidenschaft, einen rasanten Flirt oder eine kurze Liebschaft geben - aber die Zeit, die die Liebe braucht, ist kostbar und eine Seltenheit geworden.
Die Entdeckung der Langsamkeit ist daher auch eine Wiederentdeckung der Hingabe. Ob man sich beim Wandern einer Landschaft, beim Musizieren der Musik, bei der Lektüre einem Text oder bei der Liebe einem Menschen „hingibt“: Es kann nur gelingen, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Wenn ein Indianer eine Reise tut, legt er bei der Ankunft eine Pause ein, die so lange dauert, bis seine Seele nachgekommen ist.



Gebet zum ersten Sonntag im Advent

Aus: Huub Oosterhuis, Um Recht und Frieden. Gebete im Jahreskreis. Patmos Verlag, Düsseldorf 1989.


Wende dich nicht ab.
Wenn du dich abwendest,
verwelkt die Erde,
flaut der Himmel ab.

Wende dein Auge nicht von uns ab.
Der du uns gekehrt hast zu dir,
daß wir mit unverhülltem Antlitz
dein Licht zurückstrahlen.

Doch versunken sind wir in saugendem Morast,
und unsere Füße finden keinen festen Boden.
Zertreten haben unsere Füße dein Wort,
zertrampelt deine Rechtssätze.
Verachtet haben wir die Namen der Geringsten,
all diese Verworfenen, deine liebsten Menschen.
Geschändet haben wir deine liebe Erde,
verachtet dein Bild, deinen Gleichen,
verleugnet deinen Namen.

Wir, diese Welt,
wir Erben von Raubbau und Gewalt -
die dies nicht wollen und doch
nicht imstande sind, das Los abzuwenden.

Und doch deine Menschen, von dir gemacht,
um diese Erde zu behüten:
Überlaß uns nicht unserer Erschütterung,
erwecke unser Gewissen,
erleuchte unseren Verstand.

Der du gesagt hast,
daß du nie fahren läßt
das Werk deiner Hände:
Beschäme uns nicht.

Gesegnet, der du uns erweckst und nicht entwertest.
Gesegnet du für dein Wort,
das uns entlarvt, doch nicht vernichtet.
Gesegnet du für deine Achtung vor Menschen,
und daß du auf uns deine Hoffnung gesetzt hast,
daß du auf uns deine Augen gerichtet hältst.

Laß nahe kommen
dein Wort von Befreiung.



Gewohnheiten und Haltungen loslassen

Aus: Alois Kothgasser / Clemens Sedmak, Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne. Von der Kunst des Loslassens. Topos Taschenbücher. Kevelaer 2015.


Gewohnheiten und Haltungen sind mitunter loszulassen: Dass es lebensfeindliche Grundhaltungen gibt, ist uns allen klar. Das Familienleben beispielsweise wird mehr und mehr mit Terminen überladen. Kinder haben immer weniger Zeit zum Spielen und es ist auch nachweisbar, dass Kinder im Vergleich zu den 1970er-Jahren deutlich weniger schlafen. Da kann es hilfreich sein, „Termine zu entrümpeln“, „Gewohnheiten zum Sperrmüll zu geben“. Auch unsere Konsumgewohnheiten können destruktiv sein - bestimmten Studien zufolge verderben in unseren Breiten bis zu einem Drittel der gekauften Lebensmittel. Das kann man nicht als ehrfurchtsvolle oder lebensfreundliche Haltung bezeichnen. Wir müssen lernen, auch von Gewohnheiten abzulassen. Aristoteles und mit ihm Thomas von Aquin haben unsere Gewohnheiten als das Rückgrat unseres Charakters beschrieben. Wenn wir schlechte Gewohnheiten haben, ist auch unser Charakter getrübt. So gilt es, sich um gute Gewohnheiten zu bemühen. Dies wiederum geschieht dadurch, dass wir uns darum bemühen, möglichst regelmäßig und möglichst viele Handlungen zu setzen, die die gute Gewohnheit bei uns verfestigen lassen. Wenn also jemand ein ungeduldiger Mensch ist, der gerne die Grundhaltung der Geduld hätte, so müsste dieser Mensch möglichst regelmäßig Handlungen der Duldsamkeit und Geduld setzen, also Handlungen setzen, die Geduld erfordern. Dann wird es immer leichter fallen, geduldig zu sein. Wichtig ist beim Loslassen von schlechten Gewohnheiten, dass wir uns nicht zu viel auf einmal vornehmen. Ignatius von Loyola hat im Mai 1547 einen „Brief über die Vollkommenheit“ verfasst, in dem er übereifrigen jungen Menschen nahelegt, „das Schiff nicht zu überladen“. Wachstum muss „mit maßvollem Eifer“ erfolgen. Die Botschaft lautet: „Nehmt euch nicht zu viel vor!“ und „Fang bei einem konkreten Punkt an!“. Das ist ein bewährter Rat, wenn man Gewohnheiten überwinden will. Johannes Cassian hat schon Anfang des 5. Jahrhunderts die Einsicht festgehalten, dass man nicht alle schlechten Gewohnheiten auf einmal ändern könne; aber wenn man bei einem Punkt beginnt, verändern sich auch die anderen Lebenshaltungen. Als besonders sinnvoll hat er das Fasten genannt; wer regelmäßig fastet, bekommt dadurch eine Grundhaltung, die es leichter macht, auch anderswo zu wachsen. Und als besonders gefährlich hat er die Gier angesehen, die uns nie zur Ruhe kommen lässt.



Lebe einfach

Aus: Pierre Stutz, Atempause für die Seele. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2004.


Lebe einfach
genieße den Augenblick
der dich zu deiner wirklichen Sehnsucht führt
zum tiefen Bedürfnis des Angenommenseins

Lebe achtsam
entdecke die alltäglichen Wunder
damit du dich nicht im Suchtverhalten verlierst
sondern dem Leben zuliebe Grenzen setzen
kannst

Lebe einfach
lass dich ein auf Beziehung
auf das unendliche Spiel von Geben und Nehmen
das Geborgenheit im Sein bewirkt



Genieße den Geschenkcharakter
deines einmaligen Lebens
lerne mit Leib und Seele sein zu dürfen
damit du nicht noch mehr haben mußt
sondern glücklich wirst im Loslassen und Teilen

Habe den Mut deinem Suchtverhalten
auf den Grund zu gehen
es verweist dich auf deine Bedürftigkeit
die du nicht durch Konsumverhalten
sondern durch Beziehung stillen kannst



Wir warten dein, o Gottes Sohn

Philipp Friedrich Hillert (1767), in: EG 152.



Nachtwächterlied

Text: Autor unbekannt - Bearbeitung: Detlef Cordes. http://www.kulturumsonst.com/volkslieder/nachtwaechterlied.php



Versöhnung

Else Lasker Schüler, Gedichte 1902 -1943, München: dtv 2. Aufl. 1988.



Spät auf der Straße

Hermann Hesse, in: Die Gedichte, stb 381, Frankfurt 1977.



Die Worte des Herrn an Johannes auf Patmos

Rainer Maria Rilke, Zum 21.November 1915 für Clara mit Dürers Apokalypse, in: Die Gedichte, itb 2246, Frankfurt 1998.



Motett

Matthias Claudius (1782) In: Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten, 4. Teil.



bin ich dieser Mensch?

Aus: Christa Peikert-Flaspöhler, mit deinem Echo im Herzen. Neue Psalmen. Lahn-Verlag Limburg 1995.



Unpolitische Vorlieben

Aus: Hans Magnus Enzensberger, Gedichte 1950-2005. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006.



Im Schatten des Baumes

Aus: Heinz Nußbaumer, Der Mönch in mir. Erfahrungen eines Athos-Pilgers für unser Leben. Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2006.



Irland in der Krise

© DiePresse.com, 23.11.2010 | 09:46



"Deus ex machina"

http://de.wikipedia.org/wiki/Deus_ex_machina



1940

Aus: kurt marti, kleine zeitrevue. Erzählgedichte. Verlag Nagel & Kimche AG, Zürich 1999.