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Kontexte 30.04.2017


Gedanken zu Arbeit und Arbeitslosigkeit

Von Diözesanbischof Manfred Scheuer, Bischof von Linz.


„Ich bin, weil ich arbeite“, so könnte man das Lebensgefühl vieler Menschen beschreiben. Die Arbeit hat sich in unserer Gesellschaft, welche sich mit Stolz als „Arbeitsgesellschaft“ bezeichnet, zur wichtigsten Instanz für die Identitätsbildung und Sinnfindung vieler Menschen entwickelt. Durch die Erwerbsarbeit und die Höhe des daraus resultierenden Einkommens werden Menschen bewertet. In einer solchen Gesellschaft werden arbeitslose Menschen und Menschen ohne Erwerbschance buchstäblich „wertlos“ gemacht. Das Sozialwort des ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich betont, dass Arbeitslosigkeit besonders für die Jugendlichen eine große Belastung ist, denen damit signalisiert wird, dass sie nicht gebraucht werden. Während die einen Menschen von Arbeitslosigkeit bedroht sind, erleben wir das paradoxe Phänomen, dass eine andere Gruppe von Menschen von der übergroßen Menge an Arbeit beinahe zugrunde geht.

Das Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich benennt Qualitätskriterien für gute Arbeit. Dazu gehören Fragen der Gesundheit, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zumutbare Arbeitszeiten, realistische Mobilitätserfordernisse. Gute Arbeit gewährt ein angemessenes Einkommen, respektiert menschliche Fähigkeiten und die Menschenwürde und bezieht sowohl das Produkt wie die Belange der Umwelt als Kriterien mit ein.[1]

Arbeit ist vom biblischen Zeugnis her Mitarbeit in und an der Schöpfung Gottes. Wenn aber Arbeit Menschen ausbeutet, wenn Arbeitsbedingungen das Leben und die Natur nicht achten, ist sie mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Gemäß der Katholischen Soziallehre steht der Mensch im Mittelpunkt der Arbeit und der Wirtschaft, der Mensch als Ebenbild Gottes, der sich seine Würde nicht erst „verdienen“ muss.[2] Arbeit ist mehr als reiner Broterwerb, sondern vielmehr Mitarbeit und Teilhabe an der Schöpfung Gottes (M.D. Chenu OP)[3].

Arbeit im Sinne der Gottebenbildlichkeit ist Teilhabe an der Kreativität Gottes, ist Selbstverwirklichung, ist Versöhnung mit der Natur und sie stiftet Gemeinschaft. „In der Arbeit beziehen wir uns aufeinander. ... Der Arbeitslose verliert den Draht zu den anderen, er oder sie fühlt sich vom Leben abgeschnitten. ... Arbeit schafft Gemeinschaft. ... Wir erfahren, dass wir etwas tun, das von anderen gebraucht wird. ... In diesem Sinn ist humane Arbeit eine sozio-psychologische Vorbedingung des Friedens.“[4] Verliert ein Mensch die Arbeit, so schrumpft damit aber keinesfalls die Würde eines Menschen. Die Würde eines Menschen ist in keinem Fall antastbar, weil sie ihm von Gott selbst zugesprochen wird: Gott hat den Menschen nach seinem eigenen Bild, als sein Abbild erschaffen. „Die Würde sprechen wir uns nicht zu, darum können wir sie einander auch nicht absprechen. Sie ist uns vorgegeben, sie darf nicht angetastet werden.“ (Bischof Franz Kamphaus).



[1] Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Wien 2003, 68-79.

[2] Vgl. dazu Erzbischof Dr. Reinhard Marx, Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, anlässlich des Studienhalbtags Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 5. März 2009 in Hamburg (Manuskript).

[3] Marie Dominique Chenu, Die Arbeit und der göttliche Kosmos. Versuch einer Theologie der Arbeit. Mainz 1956.

[4] Dorothee Sölle. Lieben und Arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung, Stuttgart 1985, 127.



Zeig uns, dass die Erde dir gehört

Aus: Dorothee Sölle, Erinnert euch an den Regenbogen, Freiburg 1999.


Gott, dein Geist erneuert das Gesicht der Erde.
Erneuere auch unser Herz
und gib uns deinen Geist der Klarheit und des Mutes!
Denn das Gesetz des Geistes,
der uns lebendig macht in Christus,
hat uns befreit von dem Gesetz der Resignation.

Lehre uns
wie wir mit der Kraft des Windes
und der Sonne leben
und andere Geschöpfe leben lassen.

Lehre uns
die Kraft der kleinen Leute zu spüren
und keine Angst mehr zu haben,
wenn wir widersprechen und widerhandeln
dem Luxus auf Kosten aller anderen Geschöpfe.

Lehre uns
die immer größere Freude
beim Lebendigwerden in deiner lebendigen Welt,
weil wir unser Ende nicht fürchten.
Gott, dein Geist erneuert das Gesicht der Erde.
Erneuere auch unser Herz
und lass uns wieder miteinander leben.
Lehre uns zu teilen statt zu resignieren,
das Wasser und die Luft,
die Energie und die Vorräte.
Zeig uns, dass die Erde dir gehört und darum schön ist.



Gebet eines arbeitslosen Menschen

Aus: BIMS Informationen aus der Arge für Arbeitnehmer/innen- und Betriebspastoral Österreichs, 1995.


Herr weißt du wie das ist:
Wenn man arbeiten will und nicht darf?
Wenn man immer wieder Absagen bekommt?
Wenn man kein Geld verdient?

Herr weißt du wie das ist:
Wenn man Drückeberger heißt?
Wenn man Faulpelz heißt?

Herr weißt du auch:
Wie weh das tut?
Wie viel Nerven das kostet?
Wie verletzend das ist?
Wie unchristlich das ist?

Herr ich möchte DIR keinen Vorwurf machen,
ich möchte es dir nur sagen dürfen,
dass ich mir so mein Leben nicht vorgestellt habe
und, dass ich mir so elend überflüssig vorkomme:
Nicht gebraucht,
nicht gefordert,
nicht ernst genommen,
nicht geliebt.

So bitte ich dich Herr:
Hilf mir, dass ich Arbeit finde
und, dass ich auch gebraucht werde!
Amen.



Die Identität des toten und auferstandenen Christus

George Augustin in: Walter Kardinal Kasper / George Augustin (HG), Hoffnung auf das ewige Leben. Kraft zum Handeln heute. Theologie im Dialog. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2015.



Wirklich auferstanden

Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.



Jesus

Aus: Ilse Pauls, Auf dem Weg. Gedichte und Gebete. Edition Club d'Art international. Klagenfurt 2009.



Das Unsichtbare im Sichtbaren

Aus: Gerhard Lohfink, Heute – wann sonst? Unangepasstes über Gott und die Welt. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2014.



Einladung zu einer Tasse Jasmintee

Aus: Reiner Kunze, Gedichte, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001.



Seelsorge beim Discounter

Rolf Burket, Seelsorge im Discounter, aus: Anstöße SWR1 / Morgengruß SWR4 Rheinland-Pfalz vom 2.9. 2011, www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&autor=131&offset=40



Eine Tasse Trost

Aus: Joop Roeland, Die Stimme eines dünnen Schweigens, Kleine Wörter, Gedanken und Meditationen. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck Wien 2003.



Seelsorge beim Discounter

Aus: Lorenz Marti, Wie schnürt ein Mystiker seine Schuhe? Die großen Fragen und der tägliche Kleinkram. © Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.



Geht hinaus in euren Tag

Aus: Delbrêl, Madeleine, Gott einen Ort sichern. Texte - Gedichte - Gebete. Hrsg. Annette Schleinzer, Copyright Schwabenverlag, Ostfildern 2002.



Ich suche nicht - ich finde

Pablo Picasso in: Almut Haneberg, Kreatives Gestalten - meditatives Erleben, S. 38, Don Bosco Verlag, München 2008.



Auferstehung

Aus: Michael Broch, Von Auferstehung bis Zweifel. Den Glauben neu sagen. Schwabenverlag Ostfildern 2001.



Es ist der Herr

Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.



Lebendige Beziehung

Aus: Anton Rotzetter, Gottes Leidenschaft ist Liebe. Der Sinn von Kreuz und Auferstehung. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 1990.



Mit Jesus auf dem Weg sein

Aus: Ilse Pauls, Auf dem Weg. Gedichte und Gebete. Eigenverlag. Nachdruck 2009 Mails & More, A-3441 Judenau.



Du bist ein Freund für mich

-Aus: Petra Focke, Hermann Josef Lücker (Hrsg); Gott und die Welt. Gebete und Impulse für junge Menschen in allen Lebenslagen. Keine Verlagsangabe, keine Jahresangabe.



Liebe erfahren wir

Aus: Petra Focke, Hermann Josef Lücker (Hrsg); Gott und die Welt. Gebete und Impulse für junge Menschen in allen Lebenslagen. Keine Verlagsangabe, keine Jahresangabe.



Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu Essen?

Aus: Johannes Bours; Da fragte Jesus ihn. Schritte geistlicher Einübung in die Jesusnachfolge. Herderverlag Freiburg - Basel - Wien 1983.



Was unserer Welt fehlt

Aus: Phil Bosmans; Vergiss die Freude nicht. Herder Verlag Freiburg - Basel - Wien 1976.