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Kontexte 25.12.2007


Du Kind

Bernhard Meuser in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.


Du -
keine der Antworten,
die wir uns selbst geben könnten,
Du
keine der Erfindungen,
auf die wir noch kommen müssten.
Du -
keiner der Wege,
in die der Fortschritt mündet.
Du -
keine der Befreiungen,
die wir uns eigenhändig verschaffen könnten.
Du Kind,
das der Vater uns erfunden hat
als Antwort, als Weg,
als Befreiung.



Die Geburt des Herrn

Karl Rahner in: Karl Rahner Lesebuch, hrsg. Von Karl Kardinal Lehmann und Alaber Raffelt. Herder Freiburg Basel Wien 1982/2004.


Geburt in die Enge der Zeit

Wir schauen zunächst auf den Herrn, wie er der Zeit untertan wird. Welch ein Unterfangen, sich mit dem göttlichen Leben in eine bestimmte Zeit und in eine bestimmte Familie hineinzuwagen: Erscheinung Gottes im Fleisch!

Wir leiden oft unter unserer Situation, die durch die vorhergehende Geschichte und ihre Faktoren bestimmt ist. Oft sind wir ein Spielball der Politik, bekommen sie und ihre Folgen zu spüren, schauen mit Furcht in die Zukunft, fragen, wie unter solchen Bedingungen unser Leben, so wie wir es von uns aus planen, möglich sein soll. Geängstigt und mißtrauisch gegen das Leben und sein Daseinsfeld fragen wir uns immer wieder, ob uns die Wirklichkeit das Material bietet, das wir zur Gestaltung unseres Lebens brauchen. In diese verstellte Wirklichkeit hat sich der Logos Gottes hineingewagt, um ein lästiger Vertriebener, Angehöriger einer herabgekommenen Familie, Eingeborener eines versklavten Landes zu werden. Er wird in Armut geboren, im Stall, weil Maria und Josef in der Herberge nicht aufgenommen werden, so daß Paulus von seiner Ekstase der Armut sagen kann: "Um euretwillen ist er arm geworden, da er doch reich war. . .” (2 Kor 8, 9). Aber auch diese Armut ist nichts Außergewöhnliches, sie fällt gar nicht auf. Was Maria und Josef in Bethlehem erleben mußten, war für sie wahrscheinlich gar nicht erschütternd. Sie haben es eher als das selbstverständliche Los kleiner Leute angenommen. Immerhin scheint eine Geburt in so armseligen und durchschnittlichen Verhältnissen, wenigstens nach unserem Geschmack, kaum geeignet als Anfang eines großartigen Lebens. Die ganze Umgebung, in die Jesus hineingeboren wird, mutet eng an, ist sehr gewöhnlich, erstickend alltäglich, weder radikal arm noch so, daß damit ein großzügiges Leben entworfen werden könnte. Es ist auch eine Geburt in die Unbekanntheit: sie passiert irgendwo nebenher, die Menschen von damals haben sich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Ein paar klägliche Hirten finden sie als ziemlich verklärtes Ereignis; die Weltgeschichte nimmt keine Notiz von ihr.

Aber auch das Geborenwerden an sich besagt schon Enge. Geborenwerden heißt, ungefragt ins Dasein gesetzt zu werden. Das Grundwissen vom ungefragten Gerufensein, die wissend zu sich selbst kommende Kontingenz gehören zum Dasein des endlich Geistigen. Der Anfangspunkt unseres Lebens, der dieses eine Leben in eine Ewigkeit bestimmt, so daß wir nie ganz davon wegkommen können, ist unweigerlich von einem anderen verfügt. Die Annahme dieses ersten Uneinholbaren gehört zu den Grundvollzügen des menschlichen und erst recht des christlichen Daseins.

Das menschliche Dasein des Logos konnte auch kein anderes Los als das aller Geschöpflichkeit haben: es steht ganz und restlos in der Verfügung des Schöpfer-Gottes. Auch Jesus mußte anfangen. Wir können uns die Herrlichkeit dieses uns geschenkten Kindes noch so großartig vorstellen - seine Geburt selbst mußte jedenfalls schon Abstieg in die Enge bedeuten. Da hat er wahrhaft und echt unsere Geschichte angenommen. Wie wir das mit Vorzügen, die ihm die Theologie mit Recht zuschreibt, vereinigen können und müssen, ist eine andere Frage. Hier sollen wir merken, daß er gleich wie wir alle in die Welt gekommen ist, um mit uneinholbar Vorgegebenem, im Grunde mit dem Sterben zu beginnen. Nach Ignatius von Loyola [Exerzitien, Nr. 116] soll der Exerzitant [in den vierzigtägigen Exerzitien] "schauen und erwägen, was (Maria und Josef und andere) tun.. . dazu hin, dass der Herr... geboren werde und am Ende von so viel Mühen, von Hunger und Durst, Hitze und Kälte, von Schmähungen und Anwürfen am Kreuze sterbe, und das alles für mich”, Nach Ignatius soll man das Leben des Herrn ohne Pseudoverklärung an-sehen, ohne romantische Phrasen und ohne verharmlosenden Humanismus. Man soll bei der Betrachtung seiner Geburt betroffen feststellen: da, wo er geboren wird, beginnt der menschgewordene Logos mit seinem Todesgang, und alle die Dinge, die durch die Geschichte seiner Geburt hervorgehoben werden, künden schon das Ende in der restlosen Armut und Ohnmacht im Tode an.



herabgestiegen

Aus: Anton Rotzetter, Wo auf Erden der Himmel beginnt. Jahreslesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2001.


Gott erträgt das Elend der Menschen nicht, er ist ganz persönlich betroffen, leidet am Leiden der Menschen und - steigt in es hinein, um Freiheit und Leben zu schaffen. Er nimmt dafür Mose in seinen Dienst; Mose wird zum Werkzeug, in dem Gott selbst handelt und wirkt; er soll ganz und gar durchlässig werden, damit Gott seine befreiende Gegenwart zur Geltung bringen kann; Mose spürt in sich eine neue, vorher nie gekannte Mächtigkeit, göttliche Kraft, die ihn drängt und leitet, das Volk Israel einer besseren Zukunft entgegenzuführen.

Besonders betont sei hier das Motiv des Herabsteigens. Gott verlässt seinen Thron, entäußert sich in die Geschichte hinein, ist ein demütiger Gott, der sich mit dem Elend und der Erniedrigung der Menschen verbindet - und zwar so sehr, dass Gott zur revolutionären, geschichtsverändernden Kraft wird.

Besonders dieses Motiv des Herabsteigens Gottes wird nun in der Geschichte vom Kind in der Krippe noch deutlicher.

Tatsächlich ist Weihnachten alles andere als eine Idylle. Der Stall, Ochs und Esel, die Verweigerung der Herberge in der Stadt, HERODES und der Kindermord und vieles noch sind sprachliche Signale für Elend und Not, in die hinein das Kind von Betlehem geboren ist bzw. in die hinein Gott heruntersteigt, »heruntergekommen ist«, ähnlich wie man auch von einem angesehenen reichen Mann, wenn er alles verliert, sagt, er sei heruntergekommen. Der arme, ohnmächtige Gott!



wieder da

Philippa Kalkbrenner in : Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.


und plötzlich, GOTT,

bist du wieder da...

seit langem habe ich ihn nicht mehr gehört,

den »soundtrack« meiner Geschichte mit

DIR -

unser Lied!



WWW.GOTT.DE

Peter Schott in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.


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